Mit der Vorstellung der Apollo-Runtime erfönnet Adobe seiner Zielgruppe (und sich selbst) neue Wege, integrierte Web- und Desktop-Applikationen zu entwickeln und anzubieten.  Die Benennung des Projekts nach der ersten Mondlandung zeigt den Stellenwert, den Adobe dem Projekt gibt. Tatsächlich geht es um die Verbindung zweier Welten – aber auch um Adobes langen Weg ins Web.Â

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Mit Apollo lassen sich Desktop-Applikationen mit bekannten Webtechnologien wie Flash, HTML und JavaScript entwickeln. Dabei sollen sich Apollo-Applikationen direkt aus dem Netz aufrufen lassen, heben sich von reinen Webapplikationen aber mit Drag-and-Drop-Unterstützung sowie umfangreicher Einbindung der Zwischenablage ab und erlauben es, Desktop- und System-Tastenkürzel zu nutzen. Sie laufen wie herkömmliche Applikationen auf dem Desktop und nicht eingebettet in eine andere Applikation wie einem Browser. Derzeit steht Entwicklern eine Alphaversion online zur Verfügung. Die erste finale Version von Apollo soll Ende des Jahres zunächst für Windows und MacOS X, später auch für Linux folgen.

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Ein alter Hut?Â

Adobe steht mit dem Ansatz allerdings nicht allein da. Die Idee, Desktop-Applikationen mit Websites zu verbinden, ist nicht neu:

  • Vor acht Jahren ermöglichte IBM unter dem Stichwort ebenfalls die Entwicklung von Desktopanwendungen (sogenannte Weblications) auf Basis von Webtechnologien wie Javascript, HTML, CSS, etc. Das Konzept setzte sich jedoch nicht durch.
  • Auch Sun verfolgte mit Java zielte ursprünglich die Idee plattforumunabhängiger Applikationen. Das Java-Pendant zu Apollo heißt Java-Webstart. Anders als bei den Java-Applets handelt es sich nicht um in Webseiten eingebettete Anwendungen, sondern lediglich um solche die sich direkt aus dem Netz starten lassen können.
  • Auch in Mozillas XUL kann man HTML, Flash und Javascript sowieso ohne Probleme einbinden und mittels XUL Runner auch Desktop-Anwendungen erstellen. Das Google AdWords Programm für Werbende soll in XUL geschrieben sein.
  • Auch Microsofts verfolgt mit WPF/XAML ähnliche Ansätze. Microsofts Ansatz ist – wie so oft – allerdings plattformabhängig.

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Kreative als Zielgruppe Â

Die Neuerung von Apollo dürfte vor allem darin liegen, daß es der angestammten Kundschaft von Adobe neue Möglichkeiten eröffnet. Anders als bei Java dürfte Adobe damit die Zielgruppe der Webdesigner und Mediengestalter ansprechen und nicht in erster Linie klassische Entwickler. Für diese Gruppe dürfte das Angebot jedoch sehr interessant sein, erlaubt es doch, aufbauend auf vorhandenem Wissen (Flash/Dreamweaver) neue Welten zu erobern. Und dabei ging es ja auch bei der Mondexpedition.

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Mögliche Anwendungen

Kritik seitens der Alpha-Tester wurde auch am Hybridmodell geäußert. Viele Entwickler sahen keinen Bedarf für Anwendungen zwischen Desktop- und Webanwendungen. Trotz aller Kritik aus dem Lager der klassichen Entwickler ist mit Apollo einiges denkbar:

  • Webbasierte Zeiterfassung (Speicherung lokal, Syncronisation wenn ich wieder online bin)
  • Office-Anwendungen (writely/nun Google)
  • Projektmanagement
  • Webbasierte Email-Dienste mit einer einheitlichen Oberfläche
  • Webbasierte Werkzeuge
  • Widgets

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Adobes Weg ins Web

Vielleicht sagt Apollo mehr über Adobes eigene Strategie aus, nämlich verstärkt webbasierte Anwendungen als Application Serice Provider anzubeiten. Einige davon natürlich auf der Basis von Apollo. Besonders vielsagend ist hierzu das mit Adobes CEO Bruce Chizen. Chizen:

“Das untere Marktsegment hat jetzt deutlich höhere Erwartungen als früher. Jetzt will auch das Youtube-Publikum gerne ein Video herausbringen, jeder möchte möglichst kreativ sein. Also reagieren wir, zum Beispiel im Rahmen von Photobucket und Remix.

Wir glauben, dass es in diesem Segment sehr wohl Kunden gibt, diese uns jedoch keine Einnahmen bescheren werden. Zumindest nicht direkt. Allerdings verdienen wir indirekt durch Werbung. Google hat gezeigt, dass dies bei bestimmten Anwendungen sehr gut funktioniert. Wir versuchen Ähnliches mit Remix und vielleicht auch mit einem Bildbearbeitungsprogramm. Es ist geplant, Wege ausfindig zu machen, den Verbraucher so anzusprechen, dass er nicht zahlen muss.”

Außerdem kündigte er eine Host-Version von Photoshop an: “Wir werden diesen Weg einschlagen. Es gibt viele Online-Fotobearbeitungsprogramme, und deshalb würden wir gerne Photoshop entsprechend platzieren. Wir möchten, dass diese Anwendung gut funktioniert. Ich wäre ziemlich erstaunt – um nicht zu sagen geschockt – wenn es uns nicht gelänge, in den nächsten drei bis sechs Monaten etwas auf den Markt zu bringen.” кто-нибудь может проверить здесь

Project Details