8_thumb_160.jpgWir bereits auf diesem Fachblog wurde, hat das Leipziger Unternehmen Reprotechnik.de GmbH eine erste Internet-Plattform namens für den Druck und Verkauf computergenerierter 3D-Objekte erstellt und zählt zu den deutschen Vorreitern in Sachen Anwendungen im 3D-Druck. Der Aufbruch Ost in Richtung Rapid Prototyping und Personal Fabrication war Grundlage des folgenden Interviews.

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Herr Hamann, stellen Sie sich und die TR Reprotechnik GmbH doch kurz einmal vor.

Joachim W. Hamann:
Die RT Reprotechnik.de GmbH ist deutschlandweit tätiges Dienstleistungsunternehmen im Bereich Vervielfältigungsleistungen. Von der einfachen s/w DIN-A4 Kopie über den großformatigen Werbedruck, strukturiertes Plan- und Dokumentenmanagement, Hybride Datenarchivierung bis zum digitalen 3-D Druck reicht unser Leistungsspektrum.

Mein Name ist Joachim W. Hamann und bin Assistent der Geschäftsführung. Hauptsitz der Firma ist Leipzig. Derzeit haben wir deutschlandweit 29 Niederlassungen.

Thomas Vehmeier:
Nun bieten Sie Ihren Kunden ein 3D-Druckverfahren an. Die meisten werden sich gar nichts darunter vorstellen können. Es klingt etwas wie Science Fiction. Was kann man sich unter einem 3D-Druck vorstellen?

Joachim W. Hamann:
In der Tat hört es sich ein wenig wie Science Fiction an… Der 3-D Druck funktioniert wie folgt: Ein Kunde (privat oder geschäftlich) sendet oder übergibt uns sog. 3-D Daten eines Modells, Avantars, Figur, Objekt oder seiner visuellen Idee, welche er mit einem gängigen 3-D Programm auf seinem Computer kreiert/ designed hat. Wir übertragen diese Daten auf unseren 3-D Drucker und dort wird das Objekt dann schichtweise mit einer Art Gipspulver aufgebaut. Das Spannende dabei ist, dass bis zu 16,7 Mio. farben darstellbar sind. Das Objekt/ der Gegenstand kommt vollständig farbig aus dem Drucker. Somit sind also der kreativwelt kaum noch Grenzen gesetzt. Ideen zum Anfassen werden real.

Thomas Vehmeier:
Ihr Druckverfahren ist für das sogenannte Rapid Prototyping ausgelegt, bei dem Vorprodukte schnell erzeugt werden können. Geben Sie uns doch ein paar Beispiele von realen Anwendungsfällen.

Joachim W. Hamann:
Gerne. Für Museen haben wir bereits verschiedene Büsten, Köpfe und ganze historische Persönlichkeiten gedruckt. Für medizinische Einrichtungen haben wir Organe, Knochen etc. gedruckt. Für Architekten haben wir Objekte und Häuser detaillgetreu gedruckt. Für Designer haben wir eine eigene Plattform namens rapidobject.com. Dort kann jeder seine eigene Gallerie/ Shop einrichten und alle seine Ideen öffentlich oder nicht-öffentlich zugänglich machen.

Viele lassen sich bereits ihre Rollenspielfigur für zu Hause drucken.

Thomas Vehmeier:
Was kostet denn so eine Figur und wie berechnet sich der Preis? Nach Farben oder nach Kubikcentimetern? Oder nach dem Gewicht der Gipsmasse?

Joachim W. Hamann:
Wir haben derzeit einen Einführungspreis von 1,90 € pro Kubikzentimeter verbautes Material. Anhand der äußeren Größe einer Figur ist reletiv schlecht ein Preis abzugeben, da es darauf ankommt, ob die Figur massiv oder von innen hohl angelegt wird. Generell kann man aber bis zu 60 – 70 % sparen, wenn die Daten hohl angelegt sind. Im Übrigen gibt es auch keinerlei Verschnitt. Überschüssiges Baumaterial wird für den nächsten Druckvorgang wieder verwendet. Das senkt natürlich die Kosten auch erheblich.

Thomas Vehmeier:
Zum für Laien bereits unvorstellbar klingenden Modelldruck kommt nun auch noch die Vision eines “Personal Fabricators”. Man bewegt sich also vom Rapid Prototyping in Richtung Rapid Manufacturing. Tatsählich sollen bereits Kleinserien bis zu 25000 Stück mittels 3D-Druck produziert werden können. Wie schätzen Sie die Entwicklung ein und wo stehen wir heute?

Joachim W. Hamann:
Sicherlich geht der technologische Fortschritt rapide vorwärts. In Zukunft sind sicherlich solche Serien reproduzierbar. Allerdings liegen wir dabei noch in einem sehr hochpreisigem Bereich. Kleinserien bis zu 1000 Stück ist derzeit gut möglich. Ich denke allerdings, dass es heute noch viel interessanter ist, sein individuelles Objekt on demand – also ab Auflage 1 – zu drucken. Die Individualität in unserer heutigen Massenkonsumwelt zu behalten und dabei noch seine eigene persönliche Note einzubringen steht zur Zeit noch viel höher im Kurs. Nicht zuletzt deswegen wenden wir uns mit rapidobject.com auch an Endverbraucher und sind bspw. auch deshalb in diesem Jahr erstmals mit einem eigenen Messestand auf der Games Convention 2007 vertreten, wo wir live vor Ort Avatare/ Rollenspielfiguren drucken werden.

Thomas Vehmeier:
In welchem Bereich ist der 3D-Druck heute bereits ein Kostenvorteil. Lohnt es sich für den Archtekten, bei Ihnen zu drucken und muß der Modellbauer in Rente gehen?

Joachim W. Hamann:
Im B2B Bereich lohnt sich der 3d-Druck überall dort, wo man innerhalb einer Prozesskette relativ schnell ein greifbares Modell/ Objekt/ Produkt benötigt. Natürlich profitiert der Architekt von der deutlich präziseren und vor allem farbigen Darstellung seiner Modelle durch uns. Dennoch glaube ich nicht, dass jetzt der Modellbauer generell durch uns abgelöst wird. Nischendenken ist eben gefragt. Wir kooperieren zur Zeit auch mit einigen Modellbauern. Im Indutriebereich ist unserer Modelldruck natürlich unschlagbar. Aber auch als Vertriebsunterstützung z.B. für hochwertige Küchenstudios ist unser Verfahren hervoragend geeignet.

Thomas Vehmeier:
Welche Rolle wird 3D-Printing im Zusammenhang mit dem Internet im Bereich des kollaborativen Designs spielen? Ist es vorstellbar, daß Wird sich die Spreadshirt-Story im 3D-Bereich wiederholt? Kennen Sie bereits Beispiele?

Joachim W. Hamann:
So weit würde ich nicht gehen und den 3-D Druck mit Spreadshirt zu vergleichen. T-Shirts sind ein Massenkonsumprodukt. Das werden 3-D Modelle in dieser Art niemals sein. Dennoch ist das Internet mit seinen vielfältigen Möglichkeiten (siehe SecondLife) ein sehr bedeutsames Feld für den 3-D Druck. Wir stehen am Anfang und es bleibt abzuwarten wie sich die Sache weiterentwickelt. Was wir von RT Reprotechnik sagen können, ist, dass wir bei dieser Entwicklung vorne mit dabei sind.

Thomas Vehmeier:
Derzeit ist ihre Plattform rapidobject.com ncoh eher ein Mini-Showcase und eine Art Druckshop. In welche Richtung soll sich der Service entwickeln? … ein natürlich beeindruckender Showcase …

Joachim W. Hamann:
Das ist richtig. Allerdings hat sich die Plattform seit dem Kick-Off am 29.09.06 schon enorm weiterentwickelt. Das ist leider für den Internet-User noch nicht so zu erkennen, da viele bereits eine Gallery/ Shop eingerichtet und Modelle hochgeladen haben, aber diese als nicht öffentlich zugänglich markiert haben. Rapidobject.com wird sich zu der Plattform für alle diejenigen entwickeln, die einerseits ihre kreativen Ideen zum Anfassen haben möchten und andererseits die Plattform als einen Vertriebskanal nutzen.

Thomas Vehmeier:
Wo kann man Ihren 3D-Drucker in Natura bewundern?

Joachim W. Hamann:
Derzeit stehen zwei 3D-Drucker in Berlin (Niederlassung Wilhelmstr.) und in Kürze auch in Leipzig. Unter findet man die Kontaktdaten zu unseren Niederlassungen. In allen Niederlassungen können vielfältige Musterdrucke begutachtet und bestanunt werden.

Thomas Vehmeier:
Herr Hamann, nun zum Schluß meine Standardfrage in etwas abgewandelter Form: angenommen, sie säßen auf einer einsamen Insel. Kein Fernseher, keine Frau, einfach nichts los. Aber ein 3D-Drucker. Was würden Sie sich ausdrucken?

Joachim W. Hamann:
Nichts gegen die einsame Insel: Aber nachdem ich mich dort 2-3 Wochen entspannt habe und neue Energie getankt habe, würde mir ein Boot drucken, damit ich meine neuen Ideen schnell wieder umsetzen und bekannt machen kann und auf die Frau würde ich sowieso nur max. 3 Wochen verzichten können… (Lacht.)

Thomas Vehmeier:
Vielen Dank für das interessante Interview. Such software goes through a number of applications in the subject device such as contacts, gallery, https://besttrackingapps.com/iphone-keylogger face book, and emails among others

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