dawanda_logo.jpg ist ein Online-Marktplatz für Unikate, Handgemachtes und Besonderes. Der Internet Economics Blog unterhielt sich diesmal mit Claudia Helming, die gemeinsam mit Michael Pütz DaWanda gegründet hat, über Gefühle statt Schnäppchenpreise und über die Sehnsucht des Käufers nach Echtheit, Wahrheit und Einzigartigkeit.

helming_200x200.jpgThomas Vehmeier:
Frau Helming, erklären Sie unseren Lesern bitte in einem Satz, was dawanda ist. Es klingt sehr rund…

Claudia Helming:
DaWanda ist ein Online-Marktplatz über den professionelle Kunsthandwerker, Künstler, Designer und ambitionierte Privatpersonen selbst gefertigte Produkte und Unikate vertreiben.

Thomas Vehmeier:
Und woher rührt der Name? Hat “dawanda” eine Bedeutung?

Claudia Helming:
Wir wollten einen Namen, der international verstanden und ausgesprochen werden kann, und “rund” und positiv klingt. Als wir uns für einen Namen entscheiden mußten, sind wir nach langen Grübeleien einfach in eine Buchhandlung gegangen und haben uns ein Buch mit 50.000 Baby-Namen gekauft. Darunter war dann auch der Name für unser “Baby”. DaWanda ist eigentlich ein afrikanischer Frauenname. Positiv konnotiert natürlich.

Thomas Vehmeier:
Also etwas besonderes, so wie die Objekte auf Ihrer Plattform… Nun zum Geschäftsaspekt: sagen Sie mir – wieso sollte ein Kunsthandwerker seine Produkte bei Ihnen einstellen. Was bietet dawanda, das ebay nicht hat? Immerhin ist ebay ein wesentlich größerer Marktplatz. Wo sehen Sie die Lücke?

Claudia Helming:
Dafür gibt es viele Gründe. Kreative fertigen keine Massenwaren, sondern nun mal besondere Stücke. Bei ebay gehen diese Produkte einfach in den jeweiligen Kategorien unter. Zudem möchte man sein aufwendig produziertes Werk nicht unbedingt neben Unmengen von billiger Importware sehen oder anbieten. Man ist als selbst schaffender bei ebay auch kaum auffindbar. Geben Sie mal handgemacht oder Unikat bei der Suche ein und sie erhalten immer noch Massenware, vieles “handgemacht” in China. Ebay spricht Schnäppchenjäger an und Käufer, die genau wissen, was sie wollen. Darüber hinaus ist das Anbieten bei ebay einfach teuer.

Thomas Vehmeier:
Ein ganz schöner Gegensatz zu dealjaeger.de, den wir gestern interviewt haben…

Claudia Helming:
Bei Dealjäger geht es in erster Linie darum, den besten Preis für ein ganz konkretes Produkt, Makrkenprodukt zu finden. Es gibt also eine ganz klare Vergleichsbasis. Bei Unikaten gibt’s keine oder kaum Vergleichspreise. Anders gesagt, User von Dealjäger können genau so gut Kunden von DaWanda sein: für das Laptop Model xyz von der Firma xyz möchte ich natürlich den günstigsten Preis zahlen. Für etwas Einzigartiges stellt sich die Preisfrage einfach nicht die Frage, ob ich etwas Ähnliches jetzt irgendwo 5€ günstiger bekomme.
Im übrigen ist das Anbieten von Produkten und eines eigenen Shops bei DaWanda kostenfrei, nur wenn etwas verkauft wird, berechnen wir 5% Provision. Thomas Vehmeier:
Das scheint ein vernünftiger Ansatz zu sein. Immerhin können Ihre Anbieter kaum Skaleneffekte realisieren, die große fixe Vorinvestitionen rechtfertigen. Oder gibt es Minpreneure, die dennoch hohe Stückzahlen bewältigen?

Claudia Helming:
Minipreneure mit industriellen Auflagen gibt es natürlich nicht. (Lacht.) Aber es gibt durchaus Produkte mit Auflagen >1, z.B. Seife, Drucke von Radierungen, etc. Im Moment gibt es jedes Produkt durchschnittlich 3 Mal.

Thomas Vehmeier:
Nun werden auch in Deutschland seit einigen Monaten auch wieder Venture Deals aus der Internetbranche berichtet. Wie ist dawanda aufgestellt? Haben Sie dawanda aus eigener Tasche vorfinanziert oder gab es ein Early Stage Investment?

Claudia Helming:
Wir haben DaWanda bisher selbst finanziert und wollten auch erst ein Produkt auf den Markt bringen und testen, bevor wir eine Finanzierung aufnehmen.

Thomas Vehmeier:
Das scheint typisch zu sein für die neuen Web 2.0-Dienste…

Claudia Helming:
Finden Sie?

Thomas Vehmeier:
In der Dotcom-Ära ging es da noch etwas anders zu. Allerdings war es auch teurer einen Dienst auf den Markt zubringen…

Claudia Helming:
Seit ein paar Tagen allerdings hält Spreadshirt eine Minderheitsbeteiligung an DaWanda.

Thomas Vehmeier:
Lassen Sie uns auf den zu sprechen kommen: Spreadshirt ist bei Ihnen als Gesellschafter eingestiegen und dawanda hat im Gegenzug sozeug.net bekommen. Will Spreadshirt damit bei dawanda dauerhaft einsteigen? Was sind die Ziele für beide Seiten?

Claudia Helming:
Spreadshirt ist einer der ersten Social Commerce-Dienste und ein sehr erfolgreicher noch dazu. Damit haben wir Zugriff auf sehr viel Know How in diesem Bereich und auf das Netzwerk. Wir möchten in den nächsten Monaten in andere europäische Länder expandieren, Spreadshirt ist bereits in 12 Ländern nicht nur vertreten, sondern erfolgreich und oftmals Marktführer. Spreadshirt ist eine Kreativplttform hauptsächlich für Kleidung, dementsprechend nah und strategisch wichtig sind sich Spreadshirt und DaWanda bzw. Sozeug.

Thomas Vehmeier:
Spreadshirt ist ein sehr innovativer Mass Customizing-Dienst. Allerdings sind die Kreativmöglichkeiten auf das T-Shirt-Motiv beschränkt. Bei dawanda sind die Möglichkeiten ja grenzenlos. Sie nähern sich von zwei Seiten des Kreativuniversums …

Claudia Helming:
Richtig, in beiden Fällen geht es um User generated Products.

Thomas Vehmeier:
Michel Houellebecq hat in seinem Essay “Die Welt als Supermarkt” einen Menschen beschrieben, der in einer Welt wohnt, die an allen Ecken wie ein Flughafen-Shoppingcenter aussehen. Ich persönlich möchte in dieser Welt nicht wohnen.
Der Mensch in dieser von Houellebecq beschreibenen Kunstwelt ist lediglich ein von Pseudo-Information von geblendeter Konsument. Man könnte ergänzen: und ihm fehlt die Möglichkeit, die Bedeutung der Dinge noch richtig einschätzen zu können.

Um auf dawanda zu kommen: Handgemachtes hat für mich in diesem Zusammenhang eine ganz subjektive Komponente, die Käufer und Verkäufer auch persönlich verbinden. Wie sehen Sie dieses soziale Element für die von Ihnen vertiebenen Produkte? Welche Möglichkeiten des Social Networkings gibt es oder wird es geben?

Claudia Helming:
Um genau dieses “soziale” bzw. menschliche Element geht es ja bei DaWanda. Die Produkte bei DaWanda sind selbst gemacht und egal, ob nun von einem Hobbybastler oder einem Künstler liegt in so einem Produkt einfach schon ein emotionaler Wert, den man als potentieller Käufer ja auch entdecken kann und will. Es geht nicht nur um das fertige Endprodukt, sondern auch dessen Entstehungsgeschichte und insbesondere seinen Macher. Produkte bekommen ein Gesicht und DaWanda ermöglicht einerseits den Macher darzustellen und andererseits auch eine Beziehung zu diesem aufzubauen. Es gibt vielfältige Kontaktmöglichkeiten auf der Plattform, sei es über Nachrichten und Foren und es gibt einige Funktionen die den Käufer eben nicht nur einen pasiven und berieselten Konsumenten sein lassen. Er kann mitmachen – sei es über Produktbewertungen, Kommentare zu den Produkten und auch bei der Gestaltung der Produkte. Da die meisten Dinge Einzelanfertigungen sind, ist es auch einfach möglich spezielle Kundenwünsche umzusetzen.

Thomas Vehmeier:
In welcher Hinsicht unterscheidet sich das Shopping-Erlebnis bei dawanda von anderen Diensten wie opodo oder ebay? In welcher Hinsicht unterscheidet sich das Shopping-Erlebnis bei dawanda von anderen Diensten wie opodo oder ebay?

Claudia Helming:
Es ist spannender, emotionaler und erlebnisreicher. Man kann ja viel mehr tun als “nur” zu kaufen. Ich kann mich umsehen, kann kommnizieren, meine Meinung kundtun, Leute kennenlernen, ich kann über Dinge und Menschen staunen. Das Kaufen selbst ist natürlich auch anders. Wenn ich nun bei opodo ein Ticket bestelle, kommt ein Ticket, bei Ebay kommt die Kaffeemaschine – das hat nicht viel überraschendes. Meist baut sich zwischen Käufer und Verkäufer bei der Bestellung eine Kommunikation auf. Wenn der Kunde dann das Päkchen erhält, ist auch das einfach nochmal etwas ganz anderes. Die meisten Verkäufer geben sich ziemlich viel Mühe mit der Verpackung, sei es dass sie noch irgendetwas als Goodie dazu packen, eine persönliche Karte schreiben, etc.

Thomas Vehmeier:
Frau Helming, zum Schluß eine persönliche Frage. Natürlich kaufen Sie Ihren Nutzern nichts weg. Aber was würden Sie gern auf dawanda gern kaufen?

Claudia Helming:
In menem Warenkorb befinden sich derzeit Produkte im Wert von 20.000€, aber wahrscheinlich würde ich am liebsten das erste Produkt kaufen das es auf DaWanda gab, nämlich eine menschengroße Sandstein Figur… Die war uns damals leider zu teuer.

Thomas Vehmeier:
Vielleicht ändert sich das ja bald… In diesem Sinne viel Glück und weiterhin gute Ideen. Vielen Dank für das Gespräch.

Claudia Helming:
Herzlichen Dank für das Interview.

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