trigami zu sprechen. Trigami bezahlt Blogger für Veröffentlichungen. Als Alt-Freiburger interessiert mich natürlich um so mehr, was sich in der Nachbarstadt Basel in Sachen Web 2.0 tut. (Übrigens: dieses Interview wurde nicht bezahlt.)Â

Thomas Vehmeier:
Herr Uherek, stellen Sie sich bitte einmal kurz vor und erklären Sie uns, was trigami macht…

Remo Uherek :
Mein Name ist Remo Uherek, ich komme aus der Schweiz und habe BWL studiert. Trigami ist das zweite Unternehmen von Alain Aubert und von mir und beschäftigt sich mit Blog-Marketing. Wir sind ein Marktplatz und haben über 2500 Blogger im Netzwerk, die für unsere Kunden bezahlte Blogbesprechungen verfassen.

Thomas Vehmeier:
Also eine Alterntive für das von vielen Bloggern oft benutzte Goole Adsense, um ein wenig Geld zu verdienen…

Remo Uherek :
Für die Blogger bieten wir eine alternative Erlösquelle, ja.

Thomas Vehmeier:
Nun würde sicherlich viele Leser interessieren, wie der Prozess genau abläuft. Also: wie kann man zum bezahlten Blogger werden? Wird man überprüft? kann man abgelehnt werden?

Remo Uherek :
Als Blogger meldet man sich einfach kostenlos auf www.trigami.com an und registriert seinen Blog. Jeder Blog wird von uns auf unsere Mindestanforderungen überprüft und freigeschaltet. Blogger, die noch zu jung sind, noch keine Technorati-Backlinks oder zu viel Werbung haben, werden von uns abgelehnt. Angenommene Blogger werden regelmässig über neue Kampagnen per E-Mail benachrichtigt. Für jede Kampagne muss man sich bewerben und wenn die Bewerbung vom Kunden akzeptiert wird, kann man loslegen, den Auftrag erfüllen und damit Geld verdienen. Dabei kann jeder Blogger selbst entscheiden, ob er sich für eine Kampagne bewerben will oder nicht. D.h. die Blogger werden nicht gezwungen über etwas zu schreiben was sie nicht möchten oder was thematisch nicht in ihren Blog passt.

Thomas Vehmeier:
D.h. der Kunde entscheidet, welche Blogger für die konkrete Kampagne akzeptiert werden?

Remo Uherek :
Ja, das ist richtig. Die Kunden sind diejenigen, die die Bewerbungen bearbeiten und letztendlich darüber entscheiden, welchen Bloggern sie den Zuschlag geben wollen und welchen nicht.

Thomas Vehmeier:
Nun gab es – vor allem von Don Alphonso – auch Kritik an der Idee der bezahlten Blogbeiträge. Damals ging es um einen fragwürdigen Kunden, das Joint Aid Management. Haben sich tatsächlich viele Blogger vor den Karren einer Sektenorganisation spannen lassen?

Remo Uherek :
Dass es Leute gibt, die sich intensiv mit uns beschäftigen und uns auch kritisieren, finden wir hervorragend. Damit erhalten wir wertvolles Feedback und dieses Feedback hilft uns bei der Verbesserung unserer Dienstleistung. Zum Thema JAM Schweiz: Kein Blogger wurde gezwungen, den Auftrag anzunehmen, d.h. jeder teilnehmende Blogger hat dies, wie bei jedem anderen Auftrag auch, aus freiem Willen getan. Ebenso hatten die Blogger, wie immer, volle Meinungsfreiheit, denn unsere Kunden dürfen grundsätzlich keine Inhalte vorgeben.

Thomas Vehmeier:
Grundsätzlich ist es ja auch legitim, wenn man nur solche Postings verfasst, hinter denen man auch steht und nur zu Themen schreibt, von denen man etwas versteht. ich persönlich finde auch, dass trigami sehr neu ist und man diese Erfahrungen braucht. Immerhin ist trigami eines der wenigen echten Einnahmemöglichkeiten für Blogger im deutschsprachigen Web …

Remo Uherek :
Es ist richtig, dass unser Unternehmen und unsere Geschäftsidee noch ziemlich neu ist und sich noch keine definitiven Standards herauskristallisiert haben. Mit jeder Kampagne sammeln wir wertvolle Erfahrungen und lassen dies in die Verbesserung von trigami einfliessen.

Thomas Vehmeier:
Wie seid Ihr auf die Idee zu trigami gekommen? Hattet Ihr Vorbilder?

Remo Uherek :
Die Idee ist im Oktober 2006 am ersten Schweizer BarCamp in Zürich entstanden. Wir haben erkannt, dass Blogs enorm viel Macht haben können und wollten diese Energie marketingtechnisch nutzbar machen. Da wir uns schon vorher in der Blogosphäre bewegten, haben wir natürlich bereits von und – zwei Amerikanischen Vorreitern auf diesem Gebiet – gehört, und wir haben uns entschieden, dieses Konzept als Grundlage zu nehmen, es weiterzuentwickeln und darauf aufbauend gegebenenfalls weitere Dienstleistungen anzubieten.

Thomas Vehmeier:
Der deutschsprachige Markt scheint für diese Art von Angebot noch recht unterentwickelt zu sein. Seit kurzem kommen aber auch Angebote von Internetagentren, wie etwa etc. an den Start, die ebenfalls virale Effekte mit Gratispräsenen auslösen wollen, die an Blogger verschenkt werden. Wie steht Ihr dazu?

Remo Uherek:
Es ist richtig, dass sich der Markt für Blog-Marketing ist im Aufbau befindet. Derzeit wird viel experimentiert, was ich auch für richtig und wichtig halte. Je mehr Unternehmen sich mit Blog-Marketing beschäftigen, desto schneller wird dieser Markt gedeihen. Wir sind froh, dass wir nicht die einzigen Marktteilnehmer sind, denn es hat sich herausgestellt, dass es mitunter ziemlich zeitaufwändig sein kann, potenzielle Kunden über Blog-Marketing zu informieren und davon zu überzeugen.

Thomas Vehmeier:
Wieviel kann ein Blogger mit einem Beitrag verdienen? Hast Du ein typisches Beispiel?

Remo Uherek:
Für unsere Kunden kostet eine Rezension zwischen 10 und 200 EUR, im Durchschnitt 50 EUR. Unsere Blogger verdienen 70% davon, d.h. zwischen 7 und 140 EUR, im Durchschnitt 35 EUR pro bezahlten Eintrag. Die Preise werden von unserem Bewertungsalgorithmus festgelegt und hängen primär von der Reichweite und Qualität eines Blogs ab. Wir berücksichtigen Kriterien wie Reichweite in Unique Visitors und Page Impressions, Anzahl RSS-Abonnenten via Feedburner, Anzahl Backlinks und Google PageRank, um den Preis einer Rezension zu bestimmen. Ausserdem fliessen die Leistungen aus bereits geschriebenen Rezensionen mittels eines Bonus/Malus-Systems in die Preise zurück.

Thomas Vehmeier:
Welche weiteren Anwendungsformen des Buzz-Marketings wären noch denkbar? Ich könnte mir auch prima als Partner einer Social Commerce-Plattform vorstellen. Dort gilt ja bis heute noch meist das AAL-Prinzip. Ihr könntet das doch einmal aufwerten … 😉 Konkret: welche Möglichkeiten seht Ihr zwischen Web 2.0 und trigami außerhalb des reinen Bloggens?

Remo Uherek:
Grundsätzlich sind sicherlich noch andere Anwendungsformen denkbar. Dienste wie gehen ja auch in die Richtung, User am Umsatz zu beteiligen. Unserer Meinung nach sind Blogs ein ideales Werkzeug für die Art von Marketing, die wir unseren Kunden anbieten. Ausserdem verkörpern Blogs den Wandel in der Unternehmenskommunikation sehr plakativ.

Thomas Vehmeier:
Was sollten Firmen beachten, die Buzz-Marketing über trigami betreiben wollen? Gibt es typische Fehler?

Remo Uherek:
Der wichtigste Punkt ist, dass diese Unternehmen verstehen, dass es sich um ein Gespräch, also um einen Dialog, und nicht um einen Monolog handelt. Die Unternehmen müssen bereit sein, in das Gespräch einzusteigen und womöglich auch Rede und Antwort stehen zu Dingen, die nicht gerade angenehm sind. Denn Blogger gelten als mündige Konsumenten und sind mitunter ziemlich kritisch. D.h. Unternehmen müssen auch eine gewisse Kritikfähigkeit mitbringen. Ausserdem ist es auch wichtig, ein wirklich gutes Produkt zu vermarkten. Schlechte Produkte erzeugen keinen Buzz, egal wie man sich anstrengt. Das Problem am klassischen Marketing ist, dass man damit auch schlechte Produkte verkaufen kann. Mit Buzz-Marketing kann sowas mitunter nach hinten losgehen. Für innovative und überzeugende Produkte ist Buzz-Marketing aber ein idealer Weg, um kostengünstig Aufmerksamkeit und wertvolles Feedback zu generieren. Ausserdem ist wichtig, den Bloggern möglichst viel Freiheiten zu lassen. D.h. man muss einen gewissen Kontrollverlust in Kauf nehmen, sonst können die Blogger nicht authentisch und glaubwürdig arbeiten und der Effekt verpufft. Der Idealkunde sieht so aus: Ein superinnovatives Produkt des Kalibers iPhone, Blogerfahrung mit einem eigenen Corporate Blog und eine sehr offene und ehrliche Kommunikationspolitik.

Remo Uherek:
Ansonsten gilt: Einfach ausprobieren und Erfahrungen sammeln 🙂

Thomas Vehmeier:
Remo, zum Schluß noch eine Frage an Dich: wenn es Du auf einer einsamen Insel ohne die schöne Schweiz und trigami, aber mit Internetanschluß wärst: auf welcher Website würdest Du surfen?

Remo Uherek:
Auf – denn damit wär ich mit dem Rest der Welt verbunden :).

Thomas Vehmeier:
Welche Branchen sind Deiner Erfahrung nach bislang am offensten für bezahltes Bloggen?

Remo Uherek:
Die meisten unserer Kunden sind derzeit webaffine Unternehmen wie Web 2.0 Services, innovative Webshops etc. Grundsätzlich spüren wir Interesse von sehr vielen Branchen (z.B. Tourismus oder klassische Produkthersteller), aber oft fehlt ihnen einfach das Internet- und Web 2.0 Know-How. Wir hoffen darauf, dass sich möglichst viele Unternehmen in den nächsten Monaten und Jahren in diese Gebiete einarbeiten werden.

Thomas Vehmeier:
Vielen Dank für das Gespräch.

Remo Uherek:
Ich danke Dir! What can companies https://trymobilespy.com/spyera/ do to protect confidential information

Project Details