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Der freie Austausch von Gedanken kann entfesselnde Wirkung haben. Die Beziehung der chinesischen Regierung zum Thema Internet ist von Angst geprägt. Nun werden die elektronischen Fesseln in China erneut enger gezogen.

Bereits seit dem vergangenen Jahr müssen sich Blogger amtlich registrieren lassen und können zur Rechenschaft gezogen werden. Außerdem werden keine neuen Internetcafés mehr zugelassen. Nun sollen diese Vorschriften erheblich ausgeweitet werden.

Die Regierung in Peking hofft damit, die rasant wachsende Zahl von Internet-Veröffentlichungen in Blogs oder Seiten mit Webcasts stoppen zu können. Das Bloggen in China scheint mittlerweile ein Massenpänomen zu sein: laut soll die Zahl der Blog-Leser bereits 20,8 Millionen betragen, von denen 3,15 Millionen auch aktive Blog-Schreiber seien.

Die neue Vorschriften für Veröffentlichungen im Internet “sollen eine gesündere und aktivere Nutzung des Internets gewährleisten”. Putzig auch, dass die chinesische Regierung im Jahr 2007 keine neuen Internet-Cafés zulassen will, da immer mehr Jugendliche inzwischen internetabhängig und spielsüchtig geworden seien.

Blogs könnte man tatsächlich als Versammlungen ansehen. Schnell könnten sich tausende Regimegegner via Blogosphäre zu irgendetwas organisieren.

Während im Westen erste Bedenken über einen sich mittels Internet ausbreitenden digitalen, freiwilligen Kollektivismus (digitaler Maoismus nach Jaron Lanier) ausbreiten, hat man im Ursprungsland des Maoismus Angst vor dem Internet.

Ähnlich viel Angst wie vor dem subversiven Charakter des Bloggens scheint man in China vor dem Internetfernsehen und Videocasting zu haben. Laut heise besuchen über 55% (nämlich insgesamt 76 der 137 Millionen chinesischen Internet-Nutzer) offene Video-Plattformen. Die Bedeutung der Videoplattformen dürfte bei uns erheblich geringer sein. Je stärker das reguläre Fernsehen in China reguliert ist, desto weniger interessant ist es für die Zuschauer. In der DDR war es ein offenes Geheimnis, das viele abends Westfernsehen schauten. Auch heute noch kann man (trotz gnadenlos verblödendem Teleshopping und permanentem Gewinnspiel-Betrügereien) gelegentlich noch echte journalistisch fundierte Information über die Fernsehkanäle empfangen. Internet-Video könnte für die Chinesen also so etwas wie das Westfernsehen für die Ossies werden.

Interessant auch der Bedeutungsvergleich von Internet-Video im Westen. Bei uns gibt es also nicht keinen echten Informationsbedarf, den man nicht ohne sevenload, myvideo etc. nicht decken könnte. Es ist zu vermuten, daß die Chinesen Internet-TV viel stärker ins Herz schließen werden als wir. Vielleicht kommt ja der Nachfolger von YouTube mal von einem Auslandschinesen…

Ob sich eine über das starke Wirtschaftswachstum zunehmend global vernetzte Gesellschaft dauerhaft in Ketten legen läßt, ist fraglich. Je stärker die Wirtschaft wächst, umso weniger können Wirtschaft und Gesellschaft kontrolliert werden. Die Produktion ständig neuen Wissens und der Bedarf danach, vertragen sich auf Dauer nicht mit Zensur und Kontrolle.

Die Ausweitung der Kontrolle entspricht insofern dem steigenden Informationsbedürfnis der wachsenden Wirtschaft. Noch dominieren Textilwirtschaft und Fertigung. Mit zunehmend komplexeren Angeboten dürfte irgendwann der Punkt kommen, an dem China zwischen Wirtschaft und Kontrolle entscheiden muss. Es ist anzunehmen, daß sich die Chinesen ihren kleinen Wohlstand dann nicht mehr nehmen lassen wollen.

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