Die vernetzte Infoelite in den sozialen Netzwerken möchte kommunizieren und Kontakte pflegen und kommt immer öfter nicht via Google zu den gewünschten Inhalten. Umso mehr das Internet zu einem Permanentmedium wird, desto weniger wird ahnungslos nach Informationen gesucht. Die neuen Gärten im Web 2,0 sind zudem umzäunt und teilweise für Google unsichtbar und daher eine reale Bedrohung. Gleichzeitig zwingt das Web 2.0 Google umfassenden Veränderungen. Und dennoch wirkt der Mythos Google weiter. Es folgt ein Gedankenspiel.

In Deutschland führen SchülerVZ und StudiVZ mit mittlerweile über 20 Milliarden Page monatlichen Seitenaufrufen das IVW-Ranking an. Fast keiner dieser sozial sehr aktiven Nutzer dürfte über die Website von Google dorthin gekommen sein. Die Social Networks scheinen für Google allenfalls als Werbepartner für AdSense eine Bedeutung zu haben. Ist Google durch das Web 2.0 bedroht? Noch scheint nichts dafür zu sprechen, denn die Werbeeinnahmen steigen (nicht zuletzt durch mehr Portale, die Adsense einsetzen) immer weiter.
Können Empfehlungen Suchmaschinen ersetzen?

Das Neue Web 2.0 beruht in erster Linie auf der direkten umfassenden Vernetzung der Nutzer untereinander. Man kann durchaus von einer Renaissance des ursprünglichen Community-Gedankens sprechen. Der Vernetzung und den persönlichen Kontakten folgen die Empfehlungen – auch solche über Informationen und Websites. Diese Idee verfolgen die sogenannten Social-Bookmarking-Dienste. Wer gute Empfehlungen hat, bräuchte also theoretisch kein Google. Mit Wikia Search droht nun ein weiterer Gigant zu entstehen, der Googles Bedeutung reduzieren könnte.

Aber auch die Blogs rekrutieren ihre Leser weniger über Google als durch Empfehlungen anderer Blogs. Wer einmal in diesen Meinungsnetzen seinen bevorzugten ort gefunden hat, wird sich verstärkt auf die persönlich getriebenen Empfehlungen. Grudsätzlich handelt es sich um einen schleichenden Prozess, der aber von Google aufmerksam wahrgenommen wird.

Denkt man die Idee der Empfehlung weiter, wird jedoch auch klar, warum Social-Bookmarking-Dienste wie Mister-Wong nur bedingt weiterhelfen: es geht nicht darum, dass überhaupt eine Empfehlung ausgesprochen wurde, sondern darum, wer empfohlen hat und wie die Empfehlung bewertet wurde. Den Anspruch einer Social Search hat jedoch bislang noch kein Anbieter richtig erfüllen können. In den heutigen Digg-Klonen befindet sich nach wie vor zu viel Spam. Google bleibt also noch etwas Zeit.

Obwohl Google also auf technischer Seite nach wie vor führend ist, holen die Rivalen Yahoo und Microsoft sowie die Heere der Startups holen beständig auf. Der PageRank-Algorithmus liefert derzeit noch die besten Resultate, aber in absehbarer Zeit sind alternative Konzepte gegenüber Google denkbar. Es ist nicht einsehbar, warum Google einen Monopolanspruch auf Innovation haben sollte. Die Firma weiß dass und investiert entsprechend viel in die Bereiche Innovation und Research, wofür viele deutsche Internetfirmen – entgegen ihrem Anspruch – leider immer noch nicht stehen.

Google – nur ein Mythos?

Letztlich könnte die scheinbare Unbesiegbarkeit Google ein Mythos sein. Google hat sich in den letzten Jahren bei der breiten Bevölkerung zu einem Synonym für Suchmaschinen entwickelt. Die reale Macht Googles dürfte also in erste Linie in der starken Markenposition liegen. Ökonomisch liegen hier Skaleneffekte vor, die den Markteintritt neuerer evtl. innovativerer Konzepte behindern.
Aber auch im Suchmaschinenumfeld gibt es bereits Geister-Marken, die uns zeigen, dass auch hier viel Änderung möglich ist. Wer erinnert sich heute noch an Altavista (gibt es tatsächlich noch!), die noch vor 6 Jahren mit Abstand führende Suchmaschine.

Auch klassische uns allen bekannte Marken wie Tempo haben teilweise ihre Wirkung eingebüßt. War Tempo früher ein Synonym für Taschentücher, spricht man heute wieder ganz normal von Taschentüchern. Die Kraft der Marken kann also also auch irgendwann erlöschen. Diese Bedrohung gilt auch für Google. Tempo, Raider, Mannesmann, UdSSR: alles ehemals starke Marken, die ihre Strahlkraft eingebüßt haben. Die Entwicklung könnte sich fortsetzen: wer gute Empfehlungen hat, braucht vielleicht irgendwann kein Google. Wer also hinschaut, sieht an allen Ecken offene Flanken.
Wind of change: Google muß sich verändern

Bei Google scheint man diesen Veränderungsdruck zu spüren. So war 2007 das Jahr der Updates. Einige mutmaßen, dass der alte PageRank-Algorithmus vielleicht gar nicht mehr gilt. Der Durchschnitts-User bemerkt von all diesen Veränderungen zunächst nichts:

  • Generische Backlinks werden abgewertet.
  • Die Ergebnisse werden immer aktueller; diese scheinen auch höher bewertet zu werden (ich berichtete über die Überbewertung historischer Suchergebnisse). Google findet mittlerweile Beiträge in Minuten und nicht in Monaten.
  • Links aus Blogs und Social-Bookmarking-Diensten werden höher gewichtet undschneller indexiert.
  • Seiten aus dem Supplemental Index können Seiten aus dem Main Index überholen wenn sie aktueller sind.
  • Linklisten und Webkataloge verschwinden nach und nach aus dem Index.

Wann greift Google an?

Wie könnte eine Gegenoffensive von Google aussehen? Könnte Google gar den Hype um die Social Networks beenden? Es wäre durchaus denkbar. Möchte Google die eigene Dominanz wieder stärken, müsste Google zunächst die Zäune um die Gärten (die walled gardens) einreißen.

Teil dieser Strategie dürfte auch der verstärkte Lobbyismus Googles für ein “offenes ud freies Internet” sein, denn die Zergleiderung der Online-Welt in Teilreiche bedroht Google.
Könnte es Google gelingen, die Mauern einzureißen und dominante Macht zu bleiben? Google könnte etwa eine Zwangsregistrierung für die Suche einführen – zunächst für User, später für registrierte Websites. Google könnte die Mehrheit aller Internetnutzer vermutlich innerhalb kürzester Zeit in die Registrierung zwingensolange der Mythos noch wirkt.

Wenn eines Tages bessere Technologien da sind und sich dies herumspricht, könnte es Google helfen, selbst über die Nutzerdaten zu verfügen. Google experimentiert mit igoogle meiner Meinung nach nicht ganz zufällig genau in dieser Richtung.

Das Risiko liegt in einer Abwanderung der User von Google aus Angst um den Verlust der virtuellen Privatsphäre. Die Vermutung liegt also nahe, dass Google die Registrierungen langsam und Zug um Zug einführen wird, um keinen Aufschrei zu erzeugen.
In der zweiten Instanz könnte Google dann mit Open Social die noch existenten Social Networks abhängig machen. Gerade indem Google alle Nutzerdaten für andere Networks teilweise frei geben würde, könnte das Unternehmen ein offenes Internet garantieren (welches dann im Bereich der Suche weiterhin von Google dominiert würde).

Warum stürzt niemand den Mythos?

Yahoo und Microsoft sollten sich beeilen, den Mythos Google infrage zu stellen. Besonders Yahoo hat mit seinen durchaus beachtlichen Suchergebnissen sicherlich die Möglichkeiten dazu. Doch solange Googles mächtige Gegner die Marke Google unbeschädigt lassen, wirkt der Mythos weiter. Es scheint, als ob die Rivalen selbst von der Strahlkraft der Marke Google verunsichert sind. Vielleicht der größte Erfolg von Google… Auf diese Art würden schon oft Imperien aufgebaut … Children http://topspyingapps.com spy apps for android don’t always know how to limit themselves, so it’s important to place limits of your own

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