dealjaeger-schriftzug-klein.jpgWeil der Internet Economics Blog nicht nur für und von weisen Wissenschaftlern und spröden Volkswirten, sondern eben auch für Konzepter, Gründer, Inernet-Unternehmer und andere interessant sein soll, sollen in Zukunft regelmäßig Interessante Zeitgenossen aus der Internet-Szene vorgestellt werden. Heute im Interview ist Sven Schmidt, Geschäftsführer beim Social Commerce Startup dealjaeger.de.

365376024_913c80ab6d_m.jpgSven Schmidt, 32, hat Betriebswirtschaftslehre studiert und als Unternehmensberater bei McKinsey & Company gearbeitet bevor er 2000 mit drei weiteren Mitgründern getgo.de gegründet hat, welche später an die CTS Eventim AG verkauft wurde, wo er gemeinsam mit Daniel Grötzinger den Geschäftsbereich Neue Medien und das FIFA World Cup 2006 Ticketing leitete. Seine neues Projekt heißt dealjaeger.de, sein aktueller Arbeitsplatz befindet sich in der Hamburger Speicherstadt. Gründe genug für ein Interview…

Thomas Vehmeier:
Guten Tag Herr Schmidt! Beschreiben Sie unseren Lesern bitte kurz, was Dealjaeger.de ist.

Sven Schmidt:
Dealjaeger.de ist die führende Social Shopping Plattform Deutschlands. Die Plattform ist der Intermediär zwischen Käufer und Anbieter auf Basis von Nutzer generierten Inhalten. Die Kernfunktionalität von Dealjaeger.de ist aktuell das Einstellen, Bewerten und Unterbieten von On- und Offline-Angeboten auf der Plattform durch ihre Nutzergemeinschaft. Des Weiteren hat Dealjaeger.de mit der Treibjagd das Gruppen Shopping in Deutschland wiederbelebt. Mit Jäger des besten Deals wird außerdem die weltweit einzige Reverse Auktion für Produkte angeboten.

Thomas Vehmeier:
Das Grundkonzept – wenn ich es richtig verstanden habe – ist eine von den Usern betriebene Preissuche. Wo liegt der Unterschied zu den vorhandenen Preisvergleichen? Was können die nicht, was Dealjaeger.de kann?

Sven Schmidt:
Erstens: wer einen Preisvergleich anstellen will, muss wissen, was er sucht. Bei Dealjaeger.de kann der Nutzer auch einen guten Deal oder ein tolles Produkt finden, ohne etwas Spezielles gesucht zu haben.
Zweitens: die Produktkataloge der meisten Preissuchmaschinen sind sehr selektiv und favorisieren große Händler. Da findet man selten wirklich den besten Preis. Dealjaeger.de setzt auf die “Weisheit der Masse”: Unsere Community weiß, wo es wirklich die besten Preise gibt.
Und drittens: Dealjaeger.de präsentiert auch Offline-Deals wie den neuen Aldi-PC. Viele Produkte wie Möbel gibt es immer noch am günstigsten oder ausschließlich im Ladengeschäft.

Thomas Vehmeier:
Bei Ihnen wird also auch kein Händler ausgeschlossen…

Sven Schmidt:
Nein. Es sei denn, die Community identifiziert einen Händler als unseriös. Vorkassebetrüger haben bei Dealjaeger.de keine Chance.

Thomas Vehmeier:
Nun zur Standardfrage: womit verdient Dealjaeger.de Geld. Worin besteht das Geschäftsmodell?

Sven Schmidt:
Mehrere Einnahmequellen sind denkbar. Unter anderem eine Monetarisierung der Click-Outs, CPO-Deals bei Treibjagden (aktuell komplett kostenlos für Händler), etc.

Thomas Vehmeier:
Und in der derzeitigen Phase?

Sven Schmidt:
Aktuell liegt der primäre Fokus im Aufbau der Community und in der Verbesserung des Produktes. Gespräche mit Produktkataloganbietern laufen, um einen Teil der Click-Outs zu monetarisieren.

Thomas Vehmeier:
Als Deal werden auf Dealjaeger.de die besten Preise bezeichnet. Wie ist die Reaktion der Händler auf Ihre Preiscommunity? Stellen die Händler aktiv Ihre eigenen Preise ein oder verwehren Sie sich noch – kommen die Deals von den Usern?

Sven Schmidt:
Wir akzeptieren keine Produktkataloge von Händlern. Dealjaeger.de ist eine Nutzergetriebene neutrale Plattform. Natürlich können wir nicht verhindern, dass manch ein Händler eigene Deals einstellt. Zum einen machen diese unserer Vermutung nach nur einen Bruchteil der aktiven Nutzer aus, zum anderen werden Spam-Deals direkt von der Community geklaut. Somit bleiben nur echte Deals auf der Plattform erhalten und Händler, die überteuerte eigene Produkte einstellen, haben keine Chance.

Thomas Vehmeier:
Ein Händler, der seine Produkte einstellt, solte also wissen worauf er sich einläßt …

Sven Schmidt:
Das ist korrekt. Unsere Community ist nach knapp 9 Wochen schon fast unschlagbar. Der “Wisdom of Crowds”-Effekt ist gigantisch!

Thomas Vehmeier:
Herr Schmidt, Geiz ist geil, aber manchmal gibt es geile Sachen, die kosten ordentlich Geld. Wie wollen Sie Perlen entdecken, die sich zwar nicht durch den besten Preis, aber vielleicht durch einen super Service oder einen zuverlässigen Support auszeichnen?

Sven Schmidt:
Generell geht es um drei Variablen: Produkt, Preis & Service. Produkt: Trefferpunkte heben gute Produkte hervor. Preis: “Steal the Deal” stellt ein gutes Angebot sicher. Services: Mit unserem Deal Wiki (Tipps & Tricks) werden wir für Transparenz sorgen was Händler angeht.

Sven Schmidt:
Bedenken Sie weiterhin: Die Preishistorie eines jeden Deals ist einsehbar. Viele Nutzer kaufen z.B. IMMER bei Amazon, obwohl die nicht immer die günstigsten sind. Aber scheinbar mit den besten Service in Deutschland bieten bzw. deren Marke sehr viel Vertrauen ausstrahlt.

Thomas Vehmeier:
Wo Sie das Thema “Weisheit der Massen” ansprechen: In den meisten Communities kommen nur von jedem tausendsten Nutzer wirklich qualitativ brauchbare Beiträge. Also nur ein Bruchteil wird wirklcih aktiv. Bei Ihnen habe ich aber einen gewissen Spaßfaktor entdecken können. Mein erster Deal war nach 20 Minuten unterboten. Da war ich etwas angestachelt… Welche Rolle spielt der Faktor Spaß?

Sven Schmidt:
Spaß ist wichtig, um Nutzer zu binden. Das Leben ist schon hart genug 😉 Errnsthaft: Dealjaeger.de will auch unterhalten. Aktive Dealjaeger wie auch die Besucher. Produkte entdecken, Schnäppchen finden & Geld sparen…das Ganze soll Spass machen. Offline macht shoppen auch mehr Spass, wenn der Laden und das Personal spitze sind.

Thomas Vehmeier:
Die waren Schotten sind vielleicht in Wahrheit die Deutschen?

Sven Schmidt:
Ich würde uns da nicht so stigmatisieren wollen. In den USA gibt es den Coupon-Wahnsinn, in Großbritannien herrscht ein Preiskrieg zwischen Amazon.co.uk oder der Konkurrenz, in Frankreich gibt es ohne Ende Woot-Clones…jeder macht gerne einen guten Deal. Ist doch auch geil, wenn man ein tolles Produkt zu einem klasse Preis in einem super Shop bekommen kann!

Thomas Vehmeier:
In letzter Zeit gab es etwas Kritik am Modell der user generated contents. Dieses Prizip, das die meisten Social Commerce-Dienste einsetzen, wurde als AAL-Prinzip (andere arbeiten lassen) bezeichnet. Wie reagieren Sie auf diesen Vorwurf. Oder: glauben Sie, dass die Zukunft eher wieder den bezahlten Empfehlungen gilt. Ciao hatte damit ja Probleme.

Sven Schmidt:
Ich glaube an die Bezahlung. Wir hätten das auch schon längst eingeführt, wenn die Mißbrauchsthematik nicht wäre. Die ist leider sehr stark gegeben. Das mussten wir bei dialo.de am eigenen Leib erfahren. Lies: Wir arbeiten derzeit an einem Konzept, dass Bezahlung ermöglicht und dennoch Mißbrauch weitgehen ausschließt.

Thomas Vehmeier:
An Dealjäger fällt auf, dass immer wieder neue Dinge ausprobiert werden. Das wirkt sehr erfrischend in einem Markt, der mittlerweile durch Konzerne dominiert wird. Bei der Treibjagd wurde das alte Powershopping-Modell (man erinnere sich an Letsbuyit) aus dem Keller geholt. Was können Sie von der Treibjagd berichten?

Sven Schmidt:
Die Treibjagd ist top gelaufen. 100 Käufer innerhalb von 5 Stunden. Hatten ursprünglich mit 50 Stunden gerechnet. Zehnmal schneller als geplant. Aber die richtig große Überraschung: Die Händler sind begeistert. Schon Dutzende haben uns Sonder- und Restposten angeboten. Jetzt haben wie die Qual der Wahl: Pro Woche wird es erstmal nur eine Treibjagd geben!

Thomas Vehmeier:
Wird es den Dealjäger auch für die Schotten geben? Ist an eine Ausweitung gedacht?

Sven Schmidt:
Ja. Und ja … auch für die Schotten. Großbritannien und Frankreich sind neben Deutschland die beiden relevanten E-Commerce Märkte in Europa. Alle drei Märkte zusammen machen 75% des Gesamtmarktes in Europa aus. Daher werden wir uns auf diese fokussieren.

Thomas Vehmeier:
Ihr Gründerteam sind keine Unbekannten in der Internetbranche. Mit Getgo und anderen Online-Diensten haben Sie bereits viel Erfahrung sammeln können. Worin sehen Sie den Unterschied des Themas Web 2.0 zur Dotcom-Ära?

Sven Schmidt:
Gibt keinen Unterschied: Die Marketingkosten sind wieder so hoch wie in Boomzeiten. (Lacht.) Ernsthaft: 44 Millionen Internetnutzer alleine in Deutschland, Breidband, Flat Rates, Kreditkartenverbreitung, Akzeptanz & Vertrauen. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Markt ist sieben Jahre weiter. Und boomt jetzt richtig!

Thomas Vehmeier:
Da das Internet wirklich fast an jedem Punkt der Erde ist, zum Abschluß meine Frage: wenn Sie auf einer einsamen Insel wären, und das einzige was es gäbe wäre ein Internetanschluß – auf welche Seite würden Sie gehen?

Sven Schmidt:
Die Frage ist unfair. Einsame Insel, keine Frau…;-)

Ich bin großer Spiegel Online Nutzer. Und nicht nur, weil Spon schon zweimal innerhalb von 8 Wochen auf der Homepage über Dealjaeger.de berichtet hat.

Thomas Vehmeier:
Wie sagte Peter Lustig: da rechts unten ist der Knopf. Ausschalten! In diesem Sinne. Vielen Dank für das Gespräch.

Sven Schmidt:
Vielen Dank für das klasse Interview.

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