Ibrahim Evsan macht sich auf seinem Blog darüber, wie man in den Social Networks mit virtuellen Toten umgehen soll. Es geht ihm nicht um die zahlreichen Karteileichen in den Mitgliederlisten, sondern um den Umgang mit echten Todesfällen. Sollen die virtuellen Toten gelöscht werden oder gehören Sie vielleicht auf einen Online-Friedhof?

Digitale Untote?

Ibo hat nicht ganz zu Unrecht Angst vor einer Konfrontation hinterbliebener Mitglieder des Social Networks mit Systemmeldungen über den Toten. Für die Hinterbliebenen und für Freunde wären Mitteilungen aus dem Minifeed tatsächlich eine gruselige Vorstellung, da sie den Anschein erwecken, der Tote sei online noch am Leben. Hinterbliebene wären unter Umständen verletzt.

Offensichtlich stellen sich bei sevenload einige Fragen:

  • Wie verhält man sich grundsätzlich als Portalanbieter im Falle des Todes eines Mitglieds?Â
  • Soll bei Bekanntwerden des Todes das Profil gelöscht werden oder soll es weiterbestehen oder markiert werden?
  • Wie bekommt der Betreiber des Social Networks eigentlich Kenntnis von dieser Information?

Ibo schlägt vor, das Problem über ein zentrales Register zu lösen, etwa OpenID. Grundsätzlich eine gute Idee! Jedoch müßte noch geklärt werden, wie die Information über den Tod in das OpenID-Netz eingespeist wird. Ibo schlägt für diese Rolle die Post vor, die Adressaktualisierungen vornehmen könnte.

Wenn es schon so etwas wie ein digitales Notariat gibt, würde ich den Service erweitern und mich über ein digitales Testament freuen. So könnte der Umgang mit den persönlichen Daten quasi als “letzter digitaler Wille” des Users auch tatsächlich umgesetzt werden. Beim Einen bleiben die Daten im Netzwerk und werden mit einem Kreuz oder schwarzem Rahmen versehen, beim Anderen werden die Daten einfach gelöscht. Der Dritte möchte vielleicht auf einen digitalen Friedhof. Wichtig wäre, dass keine der Alternativen Standard wäre, sondern dass der Tote zu Lebzeiten selbst bestimmen kann, was mit der persönlichen Hinterlassenschaft geschieht.

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Online-FriedhofÂ

Die Konfrontation der Hinterbliebenen mit pietätlosen Beiträge zu einem Toten wie oben angesprochen sind aber nur die eine Seite der Medaille. In den meisten Fällen dürfte es eher so sein, dass mit dem Tod eines Menschen sehr vieles, das wertvoll war, in Vergessenheit gerät. Mein Vater hat eine alte Kiste mit uralten Familienfotos aus dem 19. Jahrhundert. Wir wissen so gut wie nichts über diese Menschen und das obwohl sie unsere Vorfahren waren und uns viel über uns selbst erzählen könnten. Der Regelfall ist also das Vergessen und nicht das Erinnertwerden.

In diesem Sinn könnte ein Online-Friedhof als Ergänzung zum oben angesprochenen Konzept ein Ort des Gedenkens an den Toten sein. Der digitale Friedhof wäre ein ewiges Repository der digitalen Identität und könnte eine angemessene Alternative zum Löschen sein. Der Vorgang des Löschens kann ebenfalls als pietätlos angesehen werden. Letztlich kann nur der Verstorbene beurteilen, was das richtige Verhalten wäre. Man benötigt also so etwas wie ein digitales Testament. Dafür könnte OpenID eine Basis sein.

Beim Internet-Friedhof würden die gesammelten Profile bei Bekanntwerden des Todes an einen zentralen Ort umgelagert und könnten dort ewig ruhen und ggf. der Nachwelt erhalten bleiben. Doch was heisst ewig? Ein zentraler Server wäre vermutlich nicht nachhaltig. Z.B. könnte der Server abstürzen oder dem Betreiber könnte das Geld ausgehen. Nachhaltig könnte vielleicht ein P2P-Netzwerk sein, dass die Daten auf mehreren Rechnern verteilen könnte und so eine technische Lösung gegen vorzeitiges Vergessen sein. Einigen Leuten könnte die Vorstellung jedoch nicht gefallen, dass die digitalen Hinterlassenschaften quasi in der ganzen Welt verteilt würden. Dies müsste im Dialog geklärt werden.

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Friedhof als Community?

Innovation auf dem Friedhof? Mancher findet das geschmacklos, aber die Bestatterbranche sucht nach neuen Ideen. So gibt es etwa bereits , die Fotos und Filme des Verstorbenen direkt am Grabstein auf einem echten Friedhof wiedergeben können. Und auch die Webzunft hat es bereits zu ersten Online-Friedhöfen und -Gedenkstätten wie etwa gebracht. Emorial spricht von über 100.000 bereits eingerichtenen Gedenkseiten.

Doch auch hier fehlt das entscheidende – soziale – Moment. Anteilnahme und Vernetzung. So könnte es durchaus interessant sein, die Profile aus den recht statisch anmutenden Online-Friedhöfen mit den Profilen der Lebenden in den Social Networks zu vernetzen. Ich bin mir nicht sicher, ob es so ein Social Network für Tote nicht schon irgendwo gibt. Noch weitergedacht könnten sich die Online-Gedenktafeln der Toten wie auf emorial.de sowohl miteinander als auch mit den realen Grabsteinen verbinden. So könnten auch echte Friedhöfe vernetzt werden. Eine tolle Vorstellung: auf einem Friedhof einem Menschen zu gedenken und sowohl über sein Leben zu erfahren als auch zu anderen – vielleicht schon verstorbenen Menschen – verlinkt zu werden. Der Besuch auf dem Friedhof würde zu einer lebendigen Erinnerung. Der Tod verständlich.

Der Wille des Verstorbenen könnte sich sowohl in der Dartellung seines Online-Profils nach dem Tod (Online-Grabstein) als auch in der Ausgestaltung der Zugangsrechte zu seinem Online-Profil artikulieren. Ein Online-Grabstein könnte z.B. nur den im Netzwerk angemeldeten Kontakten und ausgewiesenen Familienangehörigen offenstehen oder allen Menschen – eben so wie es der Verstorbene oder seine Angehörigen wünschen.

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Andenken als soziales RitualÂ

Wie auf jeder Beerdigungsfeier könnte es eine Art virtuellen Leichenschmaus geben, bei dem viel über den Toten erzählt wird und an ihn gedacht wird. Die Beerdigung ist ja ein Ritual, bei dem man sich gegenseitig Trost spendet und gedenkt. Da sich der Tote nicht mehr verteidigen kann, muß jedoch der Respekt gewahrt bleiben. Denn über Tote redet man nicht schlecht. Ein Online-Friedhof wäre also eine Community der Verwandten und Bekannten und würde auch stark reglementiert. Auch auf echten Friedhöfen gibt es nicht ohne Grund zahlreiche Reglements. Eine starke Moderation des Online-Friedhofs täte Not. Eine Aufgabe für die Seelsorge, die das Community-Management übernehmen aber auch bei der Trauer helfen könnte. Der ideale Online-Friedhof wäre ein Ort, an dem man aktive Trauerarbeit leisten könnte. Hinterbliebene könnten Trost bekommen und spenden. Die ersten Online-Communities waren Selbsthilfegruppen. Auch hier könnte also Vernetzung einigen Menschen helfen. Ein Online-Friedhof sollte auch etwas davon haben…

Vielleicht kommt es in ferner Zukunft also ganz anders als Ibo dachte und die Profile werden nicht gelöscht, sondern der Friedhof der Zukunft zeigt auf dem echten Grabstein das Online-Profil des Verstorbenen und ist mit diesem verknüpft und bringt uns sein Leben näher. Auf jüdischen Friedhöfen gibt es den Brauch, bei jedem Besuch einen Stein auf das Grab des Verstorbenen zu legen. Hier könnte man das auch tun und gleichzeitig Anteil nehmen.

Wahrscheinlicher ist aber, dass all dies aber nichts wird, denn zum Sterben sind die meisten Kollegen der Internetbranche noch zu jung und der Gedanke an den Tod ist zu fern.

Im Falle des Todes wäre es jedoch in jedem Fall wünschenswert, die Wünsche des Verstorbenen zu befolgen.

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