Überall und immer scheint die Zeit zu drängen. Den Hang zur Hektik und zum Aktionismus jedenfalls haben Eurokrise und Social Media gemeinsam. Warum Sie dennoch nicht verloren sind, wenn Sie sich Zeit lassen und warum Sie dennoch schon heute anfangen sollten, neu denken zu lernen.

Manchmal braucht Gut Ding doch Weile. Rainer Hank schreibt in der ZEIT sehr schön, warum es gut ist, wenn sich die Verfassungsrichter die nötige Zeit nehmen, um ihr Urteil zum ESM zu fällen. Schließlich geht es um unser Geld und da ist es mitunter nicht richtig, sich von der allgemeinen Hektik anstecken zu lassen.

Andererseits ist ja das Aufbauen von Druck eine beliebte Vertriebsmethode, um einen schnellen Abschluss durchzusetzen. Und daran dürften gewissen Kreise ein Interesse haben. Doch nicht für alle Seiten ist der schnellste Entschluß immer der Beste. Jeder kennt die Masche der Versicherungsmakler, kurz vor Jahresende die Angst vor dem Versäumen wichtiger Fristen zu verbreiten. So lassen sich die Abschlüsse nach oben treiben.

 

Strategie braucht Zeit

Wenn man nicht gerade Provisionen verdienen muß, sind Druck und Angst jedoch keine guten Ratgeber. Sie verführen zu emotionalen und wenig überlegten Entscheidungen. Ruhige und überlegte Entscheidungen tun uns in aller Regel besser.

Dahinter steht die Erkenntnis, dass komplexe Dinge Weile brauchen. Fragen Sie sich einmal selbst: in einem Imbiss würden sie sicherlich niht lange auf die Currywurst warten wollen, aber würden sie auch einen Kellner in einem Viersterne-Restaurant dermaßen unter Druck setzen? Echte Gourmets wissen darum, wie aufwendig die Zubereitung sein kann und vertrauen dem Chef de la Cuisine. Weil das Ergebnis sich meist lohnt. Ungeduld würde alles gefährden.

 

Aktionismus ist ein Geschäftsprinzip

Nicht nur die Politik weiß, wie man Druck machen kann, sondern auch die Beratersszene. Allen voran natürlich die Meute an “Social Media Beratern”. Kaum eine Stunde vergeht, in der nicht irgendwo auf Facebook ein Experte beklagt, “wann denn die Zeitungsverlage endlich begreifen, dass sie im Internet eine neue Strategie brauchen” oder in der sich jemand äußert, dass “die Telekommunikationsbetreiber das Netz immer noch nicht verstanden hätten”. Beliebte Hektiker-Feststellungen sind auch, dass “die Musiklabels eine neue Einstellung zum Copyright entwickeln müssen oder eben sterben werden”.

Die Reihe dieser Übertreibungen liesse sich beliebig fortsetzen. Anscheinend sind immer die Etablierten diejenigen, die die neue Welt nicht verstehen wollen und sich beeilen müssen, weil sie sonst aussterben. Die Schlußfolgerung soll ganz einfach sein: gebt uns Jungdynamikern endlich einen Auftrag oder Euch ergeht es wie den Dinos. Die Zeit drängt…

 

Panikmache vernebelt den Verstand

Dabei können Panikmache und Aktionismus durchaus gefährliche Fehlentwicklungen provozieren. Blogs und Facebook können auch für falsche Feststellungen als Verstärker dienen. Auf “Gefällt mir” zu klicken oer einen noch so absurden Gedanken zu “teilen” kann jeder Halbgebildete. Da diese offensichtlich in der Überzahl sind, verstärken sich noch die blödsten Botschaften. Und das sind neben dem sogenannten “Katzen-Content” gern Untergangsszenarien oder Angstbilder. Und dieser Facebook-Stammtisch meldet sich schon deshalb öfter zu Wort, weil für einfache Geister ein undifferenziertes “Gefällt mir” eben viel schneller über die Maus kommt. Und da die Berufshektiker vom Typ Social-Media-Berater eben per se öfter zu Wort melden, weil sie ja permanent neue Trends und Aufträge benötigen, sorgen sie für den nötigen Sprit in diesem Wahnsinn.

 

Wandel kommt von innen

Auch wenn es als oftmals scheint, als habe die Generation Facebook auf alles eine einfache Antwort, wird es oft erstaunlich dünn, wenn es dann nach der Analyse (bei der meist noch alle derselben Meinung sind) um neue Konzeptionen geht.

Dabei sind die Konzerne, über die gerne geurteilt wird, komplexe Gebilde und ihreseits selbst Netzwerke. Anders ausgedrückt: vielleicht ist der Wandel unserer Volkswirtschaft ja eben doch nicht für alle Unternehmen so einfach zu bewältigen. Vielleicht bedarf es erst eines Wandels im Innern, bevor der Wandel auch von außen sichtbar werden kann… Vielleicht kann es sogar ein guter Rat sein, einem Patienten, der unheilbar krank ist, zunächst Zeit zu verschaffen. Sicher ist das besser, als einem Wunderheiler nach dem anderen zu vertrauen. Ich persönlich bin – auch nach meinen Erfahrungen aus der Arbeit in großen Konzernen – davon überzeugt, dass vielen Führungskräften der digitale Wandel durchaus bewußt ist. Nur wie soll man diesen Wandel hinbekommen, fragen sich viele.

 

Nicht jedes Unternehmen kann Plattform werden

Natürlich träumt alle Unternehmer und Manager davon, ihr Unternehmen einmal zu einer digitalen Plattform umzubauen. Aber geht das auch? Auf der Bühne ist eben nur begrenzt Platz. Vielleicht ist es realistischer, sich auf einen starken Verdrängungswettbewerb einzustellen.

Und natürlich kommt man zu solchen Erkenntnissen nicht an einem Tag. Vielleicht ist ja gerade der komplexe Schritt, der eben seine Zeit braucht. Ja, und vielleicht gelten die Gesetze der Schwerkraft in bestimmten Bereichen ja auch im digitalen Zeitalter noch. Vielleicht lohnt es sich ja, danach zu suchen. Und vielleicht ist es aus strategischer Sicht sogar klüger, eine Cash Cow zu melken solange sie Milch gibt, auch wenn das einigen Kunden – und noch mehr den Beratern und Jungmanagern – ganz arg missfällt. Vielleicht ist es sinnvoll damit neue Geschäfte zu finanzieren, die zu einem neuen Mix führen.

Mit Sicherheit ist es richtig, diese Optionen ausgiebig zu diskutieren und nicht übers Knie zu brechen. Weil auch in der digitalen Welt noch jeden Morgen die Sonne aufgeht.

 

 


Bild: “Stress”, Fotograf: firesam, Creative Commons 2.0, Link:

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