Â

Â

Do It Yourself 2.0
von Denis Dilba
Computermäuse mit eingebautem Ventilator, Hydraulikpressen fürs Wohnzimmer, Röntgengeräte im Eigenbau – die Möglichkeiten des Webs lassen auch die analoge Heimwerkerbewegung wieder auferstehen.

Zwei Minilautsprecher, Kabel, Draht, zwei Plastikschraubverschlüsse, etwas Schaumstoff: Fertig ist der Selfmade-Kopfhörer Heimwerker sind seltsame Menschen. Sie haben Freude daran, eine Einbausauna in den Keller zu dengeln oder Wände mit Paneelen zu vernageln. Dinge, an denen Jeff Hove keine Freude hat. Basteln wollte er dennoch. Am liebsten etwas, womit sich Nägel in Hochgeschwindigkeit durch die Garage schießen lassen. Er wusste auch schon, wie eine sogenannte Coil-Gun am besten funktionieren würde: mit einer Drahtspule und einem ausreichend großen Magnetimpuls.

Trotzdem hatte Hove Hemmungen. “Um einen Nagel aus zehn Metern Entfernung in die Wand zu schießen, braucht man ziemlich hohe Spannungen”, sagt der 42-jährige Unternehmensberater aus Minneapolis. “Das war mir lange zu gefährlich.” Die Lösung fand er, als seine Tochter gerade an einer defekten 10-$-Einwegkamera herumschraubte: einen winzigen Foto-Transistor, auf dem “300 Volt” stand. Das Bauteil erschien ihm sicher. Die einzige Energiequelle in der Kamera war eine kleine Fotobatterie. Vier Stromschläge und zwei Ladehemmungen später schoss Jeff den ersten Nagel in die Garagenwand. MacGyver wäre stolz auf Jeff gewesen. Und Jeff war stolz auf sich selbst. Er stellte die Bauanleitung auf die Website Makezine.com.

Dorthin, wo sich schon viele andere finden: eine Computermaus mit Ventilator, ein Kopfhörer aus Verschlüssen von Plastikflaschen, die computergesteuerte Hydraulikpresse fürs Wohnzimmer. Makezine.com erklärt Schritt für Schritt und hübsch wie ein Kochbuch illustriert, wie sich solche Gadgets mit einfachen Mitteln selbst bauen lassen.

“Das Internet ist eine riesige Fundgrube für die wildesten Bastelprojekte”, sagt Dale Dougherty, Chefredakteur vom “Make Magazine”, der Printausgabe von Makezine.com. “Damit ist die Do-it-yourself-Bewegung aus den 70er-Jahren wieder richtig ins Rollen gekommen.” Die Leute verschanzen sich nicht mehr alleine im dunklen Bastelkeller. Do It Yourself als Einzelkämpferbewegung sei eigentlich tot, sagt Dougherty. Heute arbeiten Bastler zusammen. Sie tauschen ihre Ideen in Echtzeit übers Netz aus und lernen so voneinander. 1,8 Millionen Besucher hatte Makezine.com allein diesen Oktober. “Die Zahlen steigen ständig”, sagt Dougherty. Auch verwandte Seiten wie Instructables.com, Diyhappy.com oder Hackedgadets.com verzeichnen Zuwachs.

“Viele der vorgestellten Projekte sind haarsträubend und nicht wirklich zu gebrauchen”, sagt David Bue Pedersen, Maschinenbaustudent an der technischen Universität Kopenhagen, “aber sie machen einen Höllenspaß.” Seine neuste Entwicklung habe sogar einen deutlichen Nutzwert, betont David. Die fast 20 Meter von seinem “verdammt bequemen” Sofa zu seinem Internetrechner im anderen Zimmer waren ihm auf Dauer zu beschwerlich. Darum stellte David einen Großbildschirm direkt vor seinen Lieblingsplatz und erweiterte die Reichweite der kabellosen Tastatur und Maus so, dass er nun vom Sofa aus durch das Netz surfen kann. “Klar könnte ich das auch kaufen, aber so viel Geld hab’ ich als Student nicht”, sagt David. Er ist sich sicher, dass er mit seinem Problem nicht allein ist – die ausführliche Bauanleitung hat er daher auf Hackedgadets.com veröffentlicht.

Auch Peter Hoare hat ein Lieblingssofa – und das Problem, dass er nicht mehr wusste wohin mit den Cola-Dosen, die daneben lagen. Warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, dachte sich der 18-jährige Schüler und Hobbypyrotechniker. Um die Enden der Stahlrohrraketen, die er bastelt, zu verschließen, hämmerte Peter bisher solange auf den Rohren herum, bis sie dicht verschlossen waren. Die Cola-Dosen brachten ihn auf die Idee: eine computergesteuerte Hydraulikpresse fürs Wohnzimmer. Damit ist gleichzeitig das Dosenproblem gelöst und sicher gestellt, dass seine Raketen dicht sind. “Meine 30-Tonnen-Presse hat natürlich viel mehr Kraft als nötig”, sagt Peter. “Aber wenn ich was baue, dann richtig.”

Die Presse habe er auch schon im Netz entdeckt, sagt Jani Ponkko. Mit der Internetveröffentlichung seiner Bauanleitungen ist der finnische Tüftler vorsichtig geworden: Seine Idee der Computermaus mit integriertem Ventilator gegen schwitzige Hände wurde geklaut. “Die verkauft sich jetzt in Taiwan wie geschnitten Brot, und ich sehe keinen Cent”, sagt Ponkko. Bei seiner neusten Kreation, einer Kreuzung aus Handy und Computermaus, erwägt Ponkko daher, nun zum ersten Mal keine Bauanleitung ins Netz zu stellen. “Ich muss allerdings zugeben, dass ich nie darauf gekommen wäre, dass man meine Idee wirklich gebrauchen könnte.”

Während Basteleien wie eine solche Multifunktionsmaus noch harmlos sind, wird es mit einem Röntgengerätselbstbau oder Jeffs Coil-Gun schon gefährlicher. “Wir vermeiden daher, Anleitungen für besonders gefährliche Basteleien zu veröffentlichen”, sagt Sam Garfield, Redakteur bei Instructables.com. Aber solange die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden seien und man seinen gesunden Menschenverstand einschaltet, ist im Prinzip jeder Nachbau ungefährlich. Jeff Hove ist da vorbildlich: Auf der Tür zu seiner Garage warnt ein Schild vor Hochspannung – und fliegenden Nägeln.

Bastelstunden Das Netz ist voll von Bastel-Sites mit Bauanleitungen. Eine Auswahl: ; ; ;

 Students start their official role as sprinklers by joining a younger class’ morning meeting to be introduced and supplementary info participate in the greeting, sharing, and activity of the day

Project Details