schutzgeld.jpgPeter Faisst ist Geschäftsführer der Düsseldorfer Marketing Factory und kein Unbekannter in der Internetbranche. In seiner Agentur wurde eine sehr populäre Shopping-Extension für das CMS TYPO3 entwickelt, die auch als technische Grundlage für das “Live Shopping”-Format schutzgeld.de gedient hat. Auch für einen Internet-Konzepter aus Köln Grund genug, sich nach Düsseldorf zu begeben, um näheres in Efahrung zu bringen …

peterfaisst.jpgThomas Vehmeier:
Herr Faisst, Sie betreiben den Live-Shopping-Dienst schutzgeld.de. Beschreiben Sie doch kurz einmal das Angebot in einem Satz.

Peter Faisst:
das ist ganz einfach : 1 Tag – 1 Produkt – 1 Hammerpreis. Und das schlichte 365 Tage pro Jahr. So einfach kann das sein (Lacht.)

Thomas Vehmeier:
Kann sich das lohnen? Wieviel Umsatz machen Sie denn an einem Tag, oder dürfen Sie das nicht verraten?

Peter Faisst:
Das ist natürlich sehr unterschiedlich, schon weil die einzelnen Preise zwischen 50 Cent und mehr als 500 € variieren …. aber wir machen mittlerweile sehr gute Umsätze, ich sag mal, im gehobenen 5stelligen Bereich pro Monat. Tendenz sehr stark steigend.

Thomas Vehmeier:
Erklären Sie mir einmal, wo die Besonderheit eines Einprodukt-Aktionsangebotes ist. Wieso soll ich zu schutzgeld.de kommen, wenn ich doch auf tschibo.de mindestens 20 Produkte in einer Aktion präsentiert bekomme…

Peter Faisst:
Das kann ja gerade der Grund sein. Andere Online-Händler (und wir auch mit anderen Diensten) bieten viele Produkte … und ich muss suchen und wühlen und checken. schutzgeld.de hat schon ausgewählt und sagt dem user, was er heute kaufen muss. Und der tut das dann eben … ist ja auch kein Wunder, denn der Pate kann sehr sehr böse werden 😉
Was wir anbieten ist eben ein “must-have”… zumindest für unsere Genag-Mitglieder ….
Und während wir hier chatten registriert sich gerade der 6.000 User, tätträtää

Thomas Vehmeier:
Mit dem Ausdruck “Paten” und “Gang” sprechen Sie etwas an. Schutzgeld ist ja nicht nur damit bekannt geworden, dass es die erste deutsche Umsetzung des Verkaufsprinzips von woot.com war, sondern auch durch eine witzige Sprache. Ihre Urlaubsangebote sind “Fluchthelfer” und Ihr Blog steht nur der “Gang” offen. Wie wichtig ist heute de Faktor Emotion, Authentizität und Sprache, um im Internet-Commerce überhaupt noch jemanden zu erreichen?

Peter Faisst:
Ich weiss nicht wie wichtig es anderen ist – für uns war die Story drumherum der Kick, das zu machen. Und unsere User haben einen Heidenspass daran – das kann nur daran liegen, dass jeder merkt, wieviel Spass wir daran haben. Schaun Sie sich mal im Forum die Treueschwüre an den Paten an …. das glaubt man doch nicht! Cool, super cool, was unsere User da so machen. WIR LIEBEN SIE ALLE!

Peter Faisst:
und mit dem Antritt suchen wir die Produkte aus ….

Thomas Vehmeier:
Wie kommen Sie auf neue Produkte? Spielen die User bei der Aktionsplanung eine Rolle?

Peter Faisst:
Mittlerweile spielen die User da eine erhebliche Rolle, teils weil sie uns mailen und posten, was sie wollen, teils weil wir vorher fragen, was sie von bestimmten Ideen und Produkte halten – und auch welchen Preis sie haben wollen …
Beim Nintendo Wii haben wir das grad gemacht ….

Thomas Vehmeier:
Wie wichtig ist für das Konzept der zugehörige “Erpresser-Blog”? Welche Rolle erfüllt er?

Peter Faisst:
Der Blog und das Forum sind enorm wichtig … Der Blog ist ja die kurz-Info was aktuell ist und wird auch als RSS-feed geliefert und dient auch dazu, einfach Kommentare in unserem Slang zu geben. Und im Forum wird wild diskutiert, was gut war, was schief gelaufen ist und sowas – und überall wird wild rumgealbert.

Thomas Vehmeier:
Um die Schutzgeld-Denke in die Köpfe zu bekommen?

Peter Faisst:
Na klar …. unn bissje mit die Pate unn die Ali unn die Melanie chatte … musse sein, ey.

Thomas Vehmeier:
Haben Sie nicht Angst, dass Ihre Produkte einmal im Blog schlecht gemacht werden? Immerhin steht dieser auch der Konkurrenz offen. Ihre Antwort dürfte für viele Unternehmen interessant sein, die auch überlegen, ob Corporate Blogging etwas für Sie ist. … Da gibt es gewisse Vorbehalte bei vielen …

Peter Faisst:
Wer Angst vor ehrlichen Kommentaren seiner Kunden haben muss, der sollte seinen Laden zusperren. Wir sind die ersten, die da posten, wenn was schief gelaufen ist – und bei 365 Produkten im Jahr läuft natürlich auch mal was schief.
Es können ja nur registrierte posten …. und wenn einer Mist reinschreibt brauchen wir nichts machen – das gibt Feuer von anderen Usern ….

Und wenn wir Mist gebaut haben, nun denn … das passiert – da hat keiner ein Problem mit, solange wir keinen Unfug erzählen oder leugnen was eh jeder weiss.

Thomas Vehmeier:
Also Authentizität statt Reklame als neue PR-Formel?

Peter Faisst:
Na Logisch …. (Lacht.)

Thomas Vehmeier:
Ich finde Ihre Plattform äußerst humorvoll. Haben Sie schon Ärger mit Leuten bekommen, die Ihren Humor nicht teilen konnten? Womöglich von italienischen Herren in dunkelgestreiften Anzügen?

Peter Faisst:
Bisher nicht … wir haben einen Selbstabholer, der ist Polizist und holt hier in Uniform ab. Klar sind Mario & Luigi dann immer etwas verängstigt. Aber ne Stunde später kommen sie wieder aus dem Keller und alles geht weiter wie gehabt. (Lacht.)

Thomas Vehmeier:
(Lacht.) OK, weiter …

Peter Faisst:
Aber … schaun Sie mal aus dem Fenster – parkt da schon unsere schwarze Limousine??

Thomas Vehmeier:
(Findet das nicht mehr lustig.)
OK, nun mal zur nächsten Frage…

Peter Faisst:
Ja.

Thomas Vehmeier:
Herr Faisst, wie wollen Sie dauerhaft niedrige Preise garantieren? Immerhin dürften Konzerne wie die Metro oder Anbieter wie Tschibo mit ihrer Marktmacht dauerhaft eine agressivere Einkaufspolitik fahren können. Oder liegt der Innovationswert von schutzgeld.de darin, emotionales “Live Shopping” ins deutschen Internet gebracht zu haben?

Peter Faisst:
Da hat es auch wieder einen Vorteil, wenn man nur ein Produkt pro Tag anbietet – die Stückzahlen, die wir dann abnehmen, sind für viele Lieferanten bereits jetzt ofensichtlich attraktiv. Und wir können ja nach 24 Stunden bereits genau sagen, wieviel verkauft ist … das können andere Händler so nicht.

Aber die emotionale Komponente ist auch ein Punkt, der uns abhebt:
Das Produkt bei uns hat ja einen sehr erheblihen Werbe-Effekt für den Anbieter …
Und wer weiss wieviele er dann anderswo verkauft, wenn es bei uns nach 1 Tag weg ist

Thomas Vehmeier:
Welche Rolle spielt das Instrument “Email-Newsletter” für Sie? Oder kann man einem normalen Menschen erklären, was ein RSS-Feed ist?

Peter Faisst:
Mittlerweile ist der Newsletter wichtig geworden – wir haben jetzt eben auch eine kritische Masse an Abonnenten. RSS-Feeds scheinen noch keine wirkliche Breite in der Anwendung zu haben …. aber für die mobile Users ist er wichtig.

Insofern arbeiten wir künftig intensiver mit dem Newsletter ….

Thomas Vehmeier:
Werden die Produkte bevorratet (also kaufen Sie ein bestimmtes Kontingent) oder geben Ihre Partner Ihnen die Ware in Kommission. Anders gefragt: worauf muß sich ein Lieferant einlassen, wenn er mit Ihnen zusammenarbeiten will?

Peter Faisst:
Beide Wege gibt’s … das sprechen wir ab mit dem Liefernaten. Da ist aber unsere Schlagzahl ja so hoch, dass es den Lieferanten nicht wirklich auffält, wenn wir erst nach Verkauf bestellen – ist dann ja 24 Stunden nach der ersten Anfrage.

Peter Faisst:
Wichtig ist für uns, dass wir garantiert an die Ware kommen …

Peter Faisst:
Bei “unsicheren” Lieferanten bevoraten wir dann doch lieber ….

Thomas Vehmeier:
Wenn den Amici die Spaghetti besonders gut geschmeckt haben und ganz schnell alle waren – gibt es da auch mal Nachschlag?

Peter Faisst:
Nein, never – nach 24 Stunden ist immer finito …

Peter Faisst:
Aber Renner kommen dann ja irgendwann später nochmal … wann auch immer, das weiss niemand.

Thomas Vehmeier:
Klar

Peter Faisst:
… und wenn die festgelegte Stückzahl alle ist, dann ist natülich auch schluss

Thomas Vehmeier:
Wie würden Sie schutzgeld.de unter den bisher bestehenden Formaten Cyberport24, sportlet, woot und anderen derzeit positionieren – oder ist es dafür zu früh?

Peter Faisst:
Na, in Deutschland waren wir schon mal die ersten …. Und ich finde, wir machen es auch ziemlich konsequent … woot hats erfunden, keine Frage. Aber unsere Story ist besser … und auch lustiger. (Lacht.)

Thomas Vehmeier:
Wohin geht die Reise im Live Shopping? Sagen Sie jetzt nicht “Nach Sizilien”! Also: wo sehen Sie Möglichkeiten für weitere Shoppingformate?

Peter Faisst:
Ja – alles, was das Kaufen im Netzt spannender, lustiger, interessanter macht, muss jetzt kommen. Wir machen das ja vor … und die etablierten Seller im Web fangen an, etwas langweilig zu werden. Das werden die ändern müssen, wenn sie weiter erfolgreich sein wollen. Und ich habe auch den Eindruck, dass sich die nächste Generation im Web beim Shoppen anders verhält, andere Ansprüche hat … eher sowas mögen wie wir (und auch ein paar andere) es jetzt machen.

Thomas Vehmeier:
Wenn Sie nun als Pate auf einer einsamen Insel säßen – Italien wäre weit, keine schönen Frauen, niemand zum Erpessen… Aber Internetanschluß. Auf welche Seite würden Sie surfen und warum?

Peter Faisst:
Auf schutzgeld.de – ich muss jeden Tag den neuen Produkttext als erstes lesen … die sind so unglaublich abgefahren …. und erst dann auf …. naja … keine Ahnung 🙂

Thomas Vehmeier:
Herr Faisst, vielen Dank für das Gespräch. Ich hoffe, wir sind dem Paten jetzt nichts schuldig …

Peter Faisst:
Nichts, im Gegenteil – ich schulde Ihnen in Angebot, dass Sie nicht ablehnen können.

Thomas Vehmeier:
OK, in diesem Sinne weiterhin viel Erfolg.

Peter Faisst:
Danke! Our long-term use of responsive classroom comes from https://www.midnightpapers.com/ the shared belief that social curriculum is equal in significance to academic curriculum

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