Ruhig ist geworden. Mein bisher längste Blogpause hat wohl mit auch ein wenig mit Twitter zu tun. Das ganze Gezwitscher hat mich ein wenig zermürbt: wozu soll man sich auf die Bühen stellen und eine Rede halten, wenn alle durcheinander quatschen? Das Posten von Links hat vielfach die hitzigen Bloggerdebatten der letzten Jahre ersetzt. Dabei ist Twitter ohne Blogs doch so arm wie Sportschau ohne Fußball.

Umso mehr hat es mich gefreut, dass Robert Basic meinen mittlerweile fast genau einjährigen Artikel  zum Anlass eines genommen hat und mich also zwingt, mein Weblogbuch wieder aufzuschlagen….

Also habe ich mir den alten Artikel noch einmal vorgenommen. Meine Ausgangsfrage damals war, wie wohl das “Erlebnis” Einkaufsbummel im Jahr 2020 ablaufen könnte? Auf die Frage hatte ich mit einer kleinen Geschichte geantwortet. Ich war selbst erstaunt, wie viele mobile Geschäftsideen in dem Artikel verpackt waren. Daher im Folgenden noch mal die komplette Liste mit allen Shopping2020-Ideen.

  1. GeoConnect
    Ermittelt die Geokoordinaten umgehender Personen und verfolgt die Tracks umstehender Personen in Bezug auf die freigegebenen Attribute. In diesem Fall waren es Shopping-Outlets, deren Geotrack die User freigeschaltet hatten. Der GeoConnect-Server ermöglicht daher ein gemeinsames Surfen, aber unter Umständen auch ein gemeinsames Wandern etc. Der Service sollte Geokoordinaten sowie Identitäten von Personen einer generellen Nutzung durch andere Netwoks freigeben. Darüber wird eine Kontaktmöglichkeit hergestellt, sofern die Person dies freigegeben hat. Personen können GeoConnect temporär auf anonym schalten. Das Tracking der Personen geschieht über die GPS-Funktionalität der Mobiltelefone.Eine Erweiterung von GeoConnect wäre es, Personen mit gleichem Bewegungsprofil zu matchen und diese auf Wunsch danach zu klassifizieren. Die Matches der Bewegungsprofile werden “GeoFriends” genannt und auf dem Profil einzelner Personen gelistet. Der GeoConnect-Service müßte nicht notwendigerweise eine eigene Plattform sein, auf der sich der einzelne Nutzer registrieren muß, sondern kann auch als Hub im Hintergrund arbeiten und sein Geld mit API-Gebühren der Services verdienen, die die Daten abrufen.
  2. ShopLocate
    ShopLocate zeigt den Weg zu Shops samt Preview. Leitet mittels eines eingebauten GPS-System den Weg zum Laden. Dies wäre natürlich auch mittels einer Augmentend-Reality-Anwendung möglich. Ich sehe schon den Tag, an dem mich mein Handy in den Laden führt und dann direkt weiter zum Produkt. Technisch machbar durch die Verquickung von Smartphone, GPS, Augmented Reality und RFID.
  3. OpenShopID
    Die Idee hierbei war ein Registrierungsdienst für Shops. Dieser überprüft schnell die Kunden-Identität und ermöglicht ein kundenbezogenes Tracking. Einfache Registrierung wäre auf verschiedene Wege möglich. Der Kunde müsste sich nicht umständlich beim Online-Shop anmelden.Natürlich kann man solche Systeme auch zur Zugangskontrolle nutzen. Früher stand an vielen Geschäften tatsächlich noch “Eintritt frei”. Was heute geradezu absurd klingt, wäre in Zukunft durchaus wieder denkbar. Denn Händler dürften durchaus Interesse daran haben, zu wissen, wer Ihren Laden betritt.Warum dulden Nutzer online etwas, was sie im normalen Leben niemals zulassen würden? Es liegt immer an der richtigen Dosis und am Nutzen, den ein solches System für den Nutzer verspricht. Stimmen die Produkte und die Vorteile wäre durchaus denkbar, dass Kunden ihre Anonymität freiwillig abgeben, wie sie das online bereits seit Jahren tun.Das Zutrittssystem in meinem Artikel arbeitet natürlich mit mobilen Endgeräten zusammen und überprüft automatisch per kabellosem Handshake, ob eine Registrierung vorliegt. Das Einlasssystem war allerdings nur wieder eine Applikation, die auf einen zentralen, datenhaltenden Dienst zurückgegriffen hat. Wäre die OpenShopIDÂ gar etwas für die SCHUFA? Eine nicht gerade schöne Vorstellung…
  4. RegisterScan
    Die Barcode-Erkennungstechnologie ist im Grunde schon bevor sie erfunden wurde. Aber natürlich muss eine Vor-Ort-Registrierung im Präsenzhandel auch bequem und schnell durchgeführt und automatisch an den jeweiligen Shop übertragen werden.
  5. RFID-Productfinder
    Führt zu Produkten innerhalb eines Shops, deren Produkte mittels EAN klassifiziert sind und die mit einem RFID-Chip ausgestattet sind. Importiert produktrelevante Daten aus einem Social Network (Internet) wie etwa Schuhgröße, etc. Dabei werden explizite und implizite Daten unterschieden.
  6. StoreCompare
    Dieser Service könnte eingescannte EAN-Codes verarbeiten und selbstständig einen Preisvergleich durchführen. Gibt es natürlich gewissermaßen mit ShopSavvy schon. Ehemalige Käufer sind allerdings direkt ansprechbar.
  7. Shoptwit
    Mit ShopTwit könnte man gemeinsam Einkaufen, auch wenn man gerade allein ist. Freunde und Follower auf Twitter könnten Anproben-Fotos oder Fotos direkt und personenbezogen kommentieren. versucht sich ja in dieser Richtung.
  8. HandyBuy-Button
    Das Einscannen eines EAN-Code vom Handy aus genügt. Ein Knopfdruck auf den Buy-Buton – und die Ware ist gekauft. Der Händler bekommt einen Beleg an die Kasse geschickt. Gibt es ja auch schon für Bahntickets und Parkuhren. Warum nicht generell einführen?
  9. ProduktDetect
    Das Einscannen von EAN-Codes ist natürlich bei weitem so intuitiv, wie die direkte Erkennung des Produkts anhand von Form, Farbe und Struktur, als Bilderkennung. Der Barcode ist nur eine Krücke und eine Zwischenstufe zu richtigen Mixed Reality Apps.
  10. FaceScan
    Neben Produkten ist natürlich auch eine Gesichtserkennung denkbar, die Personen mittels Handybild identifiziert. Sicherlich eine interessante Anwendung, falls sich Augmented Reality wirklich durchsetzen sollte. Ein ID-Erkennungsdienst gleicht die in OpenID gespeicherten Gesichtsmerkmale ab, sofern diese vom User freigegeben worden sind. Eigentlich auch eine schöne Zugangsschutzvorrichtung…
  11. GeoSpy
    Die dunkle Seite des mobilen Netzes. GeoSpy ermittelt bei verfügbaren Freigaben der Geokoordinaten in OpenID, inwiefern sich Geokoordinaten von Personen zeitlich decken und schließt daraus, mit welchen anderen Person hat eine Person wo wie viel Zeit verbracht, an welchen Orten hat eine Person sich wann wie oft aufgehalten, welche Personen sich verpasst haben, obwohl sie häufig ähnlich viel Zeit an derselben Geoposition verbracht haben.
  12. Mobile Produkte
    Auch Produkte haben ein soziales Leben jenseits der Ladentheke. Im Grunde fängt das Leben eines Produktes doch im Laden erst an. Produkte könnten in ferner Zukunft ebenfalls GeoDaten übermitteln und ihre Position anderen Anwendungen und anderen Produkten zur Verfügung stellen. Anwendungen ergeben sich nicht bloß für die Verkehrstechnik (PKW funken ihre Positionen zur Staukontrolle), sondern ebenfalls für das Marketing.
  13. PeopleRoute
    Ermöglicht das Auffinden von Personen aufgrund von Geokoordinaten und fügt die Geokoordinaten zu einem Track zusammen. Aufgrund vergangener Daten kann auch eine Art Rasterfahndung möglich sein…

Viele mögliche Anwendungen machen zu Recht Angst und bedürfen der Regulierung. Überraschend ist ja immer wieder, wie schnell Nutzer ihre persönlichen Daten freiwillig bereitstellen, wenn Sie im Tausch dagegen lustige oder nützliche Funktionen bekommen. Diese Art des Tauschs wird man nicht verhindern können. Allerdings wird die Verantwortung für die Verwendung dieser Daten in Zukunft sicher steigen. Vielleicht auch ein Grund, warum derartige Apps vielleicht nicht immer von jungen Startups kommen müssen…

Gerade für neuartige Technologien fällt es oft schwer, sich eine konkrete Vorstellung von dem zu entwickelnden Produkt zu machen. Die tatsächliche Nutzung der Technologie muß allerdings nicht immer im Sinn der ursprünglichen Erfinder liegen. Viele jahre lang war ich hausarbeit schreiben dann leiter eines kleinen werkzeugbaus

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