Schade, dass kaum jemand auf meinen Artikel “Don’t believe the Hype” kommentiert hat. Ich möchte etwas nachlegen, denn offensichtlich ist noch viel zu wenigen aufgefallen, wie sehr sich das Internet zu einer Star-Ökonomie entwickelt hat und werde in den nächsten Wochen noch einige Belege liefern. Es sind doch gerade die Influencer, die in den sozialen Medien den Ton angeben und an denen soviel hängt.

 

Millionenpublikum ohne Stars?

Michael Weber, ein befreundeter Drehbuchautor mit Sinn für echte Geschichten und mit wenig Neigung in Sachen Internet, wies mich vor vier Jahren das erste Mal darauf hin: “Thomas, die großen Seiten sind ja fast alles bekannte Marken…” Er fügte hinzu, das Internet habe ja nicht gerade einen Glamour-Faktor. Stars gebe es scheinbar auch nicht. Es sei wohl nicht viel eigenes da. Warum solle er sich damit beschäftigen?

Zu Dotcom-Zeiten war das eine sehr feine Tatsachenbeschreibung. Das Internet hatte einfach noch kaum Stars oder eigene Marken hervorgebracht. Konnte so ein Leitmedium aussehen?

 

Das Web 2.0 ist anders als das Dotcom-Web

Mittlerweile ist das Internet zum Massenmedium geworden. Es hat seinen akademischen Ursprung weit hinter sich gelassen. Das Internet ist groß geworden – so groß, daß viele Benutzer sich kaum noch zurechtfinden und einfachere, handhabbare Orientierungspunkte benötigen. Da kann auch keine noch so gute Usability helfen: die Themenbreite und -tiefe ist für Uneingeweihte mittlerweile derart beeindruckend, dass sie sich auf bekanntes Terrain zurückziehen.

Und dort finden sich zunächst Marken und Personen denen man traut. Günter Jauch zum Beispiel. Einen netteren Nachbarn kann man sich gar nicht vorstellen. Wo ist der eigentlich im Internet? Fehlt einem irgendwie.

 

Da aber gleichzeitig die bekannten Marken und auch Personen, die eigentlich eine Â

Ein Star ist ein Stern am Himmel, der einem den Weg weist. Den man sich gern ansieht und von dem man träumt. Ein Stern ist nichts abstraktes wie ein Marktplatz, sonder etwas konkretes, was immer leuchtet und den man sich mit anderen anschauen kann und über den man reden kann.

Deshalb würde ich mich zu der Behauptung hinreissen lassen, daß die Stars der Zukunft aus dem Internet kommen.

 

Be a star

Natürlich wären ohne den Würfel-Hype kulturelle Errungenschaften wie etwa das (z.B. Lösen bei Trunkenheit oder mit verbundenen Augen)Â oder geistige Höchstleistungen, wie etwa mathematische Lösungen des Würfelproblems (jede Stellung ist eine Verknüpfung der sechs möglichen Basis-Permutationen…) unvorstellbar.

Die Arbeitsteilung der Zukunft sieht wie folgt aus:

Jemand muss den Stern sehen…
Moden entstehen nicht einfach so. Gedankenspiele und neue Ideen werden von Katalysatoren aufgegriffen. Die deutschen twitter-Klone haben sich erst eintwickelt, nachdem Robert Basic (durch zahlreiche begeisterte Beiträge auf seinem Blog) den Trend ausgerufen hatte und

… und jemand muss ihn vom Himmel holen
Interessant ist in diesem Zusammenhang ja auch, dass Moden nicht nur Produkte oder Kleidung erfassen können, sondern auch das Denken an sich.

 

Google – the end of miracles

Bei den Recherchen zu meiner Zauberwürfel-Story wurde mir bewusst, wie schnell ich heutzutage – dank Google – auf die Lösung des Würfelproblems gekommen bin. Ohne Google hätte ich Lösungsvorschläge wie die oder die nie gefunden. Ich selbst hatte schon 1981 nicht genug Geduld…

Google, die Aufklärungsmaschine zerstört in Sekunden den Zauber des unlösbaren. Doch wohin bewegt sich eine Welt, in der das Rätselhafte zu verschwinden droht?

Aber braucht nicht die Menschen immerfort neue Rätsel? Um sich zu messen, um zu träumen, um zu staunen.

Wenn also die Desillusionierung und damit der Verfall neuer Moden durch das Internet ebenfalls schnelle geschieht, dann dürfte der Hype einiger Web 2.0-Dienste bald zu Ende sein.

 

Klatsch 2.0 – das Internet als Kulturtechnik

Doch welche Bedürfnisse neben den im meinem Zauberwürfel-Artikel genannten Netzwerkeffekten können noch zu einem Hype beitragen? Was bewegt erwachsene und studierte Menschen wie Steve Rubel, Ihren globalen Mitmenschen via twitter zu erklären, was sie gerade tun?

Der Impuls mitzumachen resultiert aus einer Unsicherheit. Lange ist eine Phase der Unsicherheit, die sich durch die Globalisierung zumindest für die westlichen Industriestaaten auf unbestimmte Zeit verlängern dürfte, nicht auszuhalten. Menschen brauchen den sozialen Rückhalt mit anderen. Um so mehr und schneller sich die Welt verändert und um so weniger der einzelne davon begreift, desto mehr wird der Schulterschluß gesucht.

Der kometenhafte Aufstieg einiger Web 2.0-Dienste wäre damit zu erklären. Aber warum haben dann Organe wie “Frau im Spiegel” und andere Klatschblättchen nicht mehr Erfolg im Internet? Antwort: weil sie die falsche Brille aufhaben und die Goldader nicht sehen.

 

Stars bieten Identifikation und Orientierung

Das Web 2.0 hat neue Moden und Stars hervorgebracht. Alles Dinge, die in den Aufbaujahren nicht denkbar gewesen wären. Die Blogs haben die Art, wie sich Nachrichten im Internet verbreiten, revolutioniert. Neuigkeiten, die sich gut verkaufen, wandern in kürzester Zeit um den Erdball und haben bereits erheblichen Einfluß auf die Leitmedien.

Die Sehnsucht durchschnittlicher Geister nach Orientierung wird nicht abnehmen. Das Internet der zweiten Generetion spiegelt diesen Wechsel. Daher hat Frank Huber auch recht, wenn er schreibt, das Internet brauche eine Identifikationsfigur. Ich würde das nur etwas pluralistischer ausdrücken..

Wer genau hinschaut, kann sie bereits sehen. Wenn Sascha Lobo mir aus dem Fernsehen zuwinkt, weiß ich, dass sich etwas verändert hat.

 

Die Aufgabe der Verleger

Warum nur schlafen all die Verleger so tief? Wieso hat Robert Basic noch kein Buch geschrieben? Warum erfüllen die Verleger Ihre Aufgabe nicht bzw. sehen nicht die Möglichkeiten, die sich da vor Ihren Augen auftun?

Der Verlagsmanager der Zukunft ist am ehesten der Musikproducer, der ständig neue Bands auslotet und diese aber auf aufbaut, um mit Ihnen lange Geld verdienen zu können. In diesem Sinne ist das Haus Holtzbrinck gedanklich extrem weit.

Die Zukunft wird zeigen, ob diese neuen Stars mit den Verlegern zusammenarbeiten werden oder ihren eigenen Weg gehen.

  A team of scientists examined the brain structures of children and found that when young buy an essay our blog children exercise, their brains produce a thinner layer of cortical gray matter, which can lead to stronger math skills

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