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Im ostafrikanischen Staat Kenia haben 40 Prozent der Menschen kein eigenes Bankkonto. Wer trotzdem einfach Geld überweisen möchte, kann das mit dem mobilen Service M-Pesa des kenianischen Mobilfunkanbietes Safaricom tun. Nachdem die Prepaid-Karten bereits als Ersatzwährung dienten (erinnert sei an Zigaretten auf Nachkriegsschwarzmärkten) ersetzt nun die Übertragung von Prepaid-Guthaben per SMS das fehlende Buchgeld. Der Infrastrukturnachteil Afrikas zwingt die menschen hier in mobile Dienste und könnte sich mittelfristig durchaus als Vorteil im globalen Wettbewerb werden.

 

Das Handy als Symbol der Freiheit

Wenn Institutionen nicht richtig funktionieren oder korrupt und unverlässlich sind, wird das Mobiltelefon zum Werkzeug einer kleinen Emanzipierung von diesen Zuständen. June Arunga beschreibt, wie sich die Menschen im größten afrikanischen Slum Kibera mit fast einer Million Einwohnern, die fast allesamt in illegal gebauten Hütten hausen, mittels Handy gegen Zwangsräumung wehren. Mittels Handy organisieren sich die Bewohner und besetzen die Bulldozer, die die Hütten abreißen sollen. Diese Art von Flashmobbing sei nur mittels Handy möglich und geben den Menschen mehr Unabhängigkeit.

Jeder dritte erwachsene Kenianer besitzt bereits ein Mobilfunktelefon. In den letzten fünf Jahren stieg die Anzahl der Handies von einer auf sechseinhalb Millionen, während es immer noch erst 400.000 Festnetzanschlüsse gibt. Bereits in ungefähr 80% der Fläche von Kenia ist der Empfang gewährleistet. Damit steht fest: der Mobilfunk hat sich in kenia durchgesetzt. Ob das Festnetzes noch weiter ausgebaut wird, ist ungewiss. Kenia ist mobil. Komplett!
Das Handy bringt also eine Menge Ordnung ins afrikanische Chaos ohne die Grundstrukturen zu verändern.
Bezahlen per SMS

Doch es keineswegs nur smarte afrikanische Startups, sondern auch Weltkonzerne, die in Afrika Mehrwertdienste auf den Markt bringen, auf die Europa lange warten muß.  wird von Safaricom betrieben und ist Teil des Vodafone-Konzerns. Aber auch andere Investorengruppen wie etwa der Finanzinvestor Christian Angermayer investieren in das afrikanische M-Business. Die anfängliche Zurückhaltung ist in für Afrika erstaunlich große Euphorie gewichen, denn mittlerweile zählen die Mobilfunkfirmen zu den größten kenianischen Steuerzahlern.

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Aufbruchstimmung

Die Handy-Überweisung funktioniert ganz unspektakulär mit SMS. Im Handy-Menü gibt es eine Zeile “Send Money” mit dem direkt per SMS an andere Mobiltelefon-Besitzer bezahlt werden kann. Der Handy-Provider sendet eine SMS mit einem speziellen Code und einer extra ID. Der Empfänger kann in einer Wechselstube gehen, dort den Code und die ID zeigen und das Bargeld ausgezahlt bekommen.

Darüber hinaus besteht für M-Pesa-Kunden auch die Möglichkeit, ein als Airtime bezeichnetes Prepaid-Gesprächsguthaben zu kaufen, das durch eine direkte Übertragung an andere Safaricom-Kunden als Ersatzwährung fungieren kann. Eine weitere verbreitete und vom Anbieter nicht vorhergesehene Anwendung ist die Nutzung des M-Pesa-Guthabens als elektronische Geldbörse durch Ein- und Auszahlung von größeren Geldbeträgen zum sicheren Transport während einer Reise.

M-Pesa fungiert damit in zunehmenden Umfang als Alternative zu einem regulären Bankkonto beziehungsweise einer Kreditkarte sowie anderen Formen des Geldtransfers und des bargeldlosen Zahlungsverkehrs, deren Nutzbarkeit insbesondere im ländlichen Bereich durch die geringe Vor-Ort-Verfügbarkeit von Bankfilialen und Geldautomaten in Kenia stark eingeschränkt ist. Auch für Kunden, für die aufgrund ihres geringen Einkommens ein Bankkonto oder eine Kreditkarte nicht wirtschaftlich ist, stellt M-Pesa eine Ersatzlösung dar. Die Bezahlung der Nutzung erfolgt pro Transaktion, so dass keine Kosten für den Bestand des M-Pesa-Guthabens entstehen.

M-Pesa hat bereits 9 Monate nach Markteinführung eine Millionen Kunden. Die Ersatzwährung Prepaid-Guthaben scheint sich in rasantem Tempo durchzusetzen. Sogar die Bustickets (Matatu) werden oftmals schon mittels SMS bezahlt. Was in Afrika zählt, ist Cash bzw. direkt verfügbares Guthaben. In diesem Sinne ist das Prepaid-Geld vielem überlegen.

 

Afrika als Labor für M-Commerce?

Für die Konzernmutter wie Vodafone dient M-Pesa als afrikanische Labor. Hier können unter Extrembedingungen Applikationen und Services getestet werden, die vielleicht irgendwann global angeboten werden können.

In Europa sind Testservices mit SMS wie bei Paypal bislang nicht erfolgreich gewesen bzw. konnten sich nicht durchsetzen. In Afrika sind die komparativen Kostenvorteile der SMS-Lösung aufgrund der fehlenden Infratstruktur bzw. der geringen Verbreitung von Bankkonten so groß.

 

Anwendungsgebiet TransfersÂ

Der Markt, der durch M-Pesa bereits deutlich unter Druck gerät, ist der Markt der internationalen Geldsendungen, die im Ausland arbeitende Kenianer ihren Familienangehörigen nach Hause schicken.

Diese Transfers, die oft der Versorgung der Verwandten im Heimatland dienen, werden weltweit auf bis zu 93 Milliarden US-Dollar jährlich geschätzt. Für Geldinstitute wie etwa Western Union ist dies ein wichtiger, wenn nicht dee wesentliche Geschäftsbereich.

 

Akku leer?

Bis sich Kenia aber zum Schwellenland für M-Commerce entwickelt, ist es noch ein weiter, steiniger Weg. Zum einen sind nicht gerade multimediafähige Handies, sondern viele Altmodelle unterwegs. Zum andern steht ein anderes Problem im Weg: der Mangel an überall verfügbarem Strom, um das Handy aufzuladen. Wer viel mit Laptop und Handy unterwegs ist, kennt das Problem auch aus Deutschland: irgendwann ist der Akku einfach leer. Was bei uns nur nervt, ist in Afrika allerdings ein echtes Problem. Viele Afrikaner sollen teilweise kilometerweise zu Fuß marschieren, um auf dem nächsten Marktplatz das Handy aufzuladen.

Neben dem nur unzureichend ausgebauten Stromnetz bezahlen die Kenianer zudem relativ . Dies ist ein Massenproblem, was sich teilweise aus den (fehlenden) Skaleneffekten erklären lässt, d.h. Elektrizität wird erst dann billig, wenn sie viel genutzt wird.

 

Wann setzt der Löwe zum Sprung an?

Dennoch macht M-Pesa allen Mut, die an Afrikas Zukunft hoffen. Das Beispiel der SMS-Überweisungen zeigt, dass auch aus unterentwickelten Ländern Innovationen kommen können bzw. dort erfolgreich sein können. Vielleicht springt nicht nur der Tiger, sondern irgendwann auch der Löwe.. Vielleicht müßte man daher manches Entwicklungsland oder Schwellenland eher als Sprungland bezeichnen.

Gerade durch die geringe Verbreitung bereits vorhandener Technologien und Institutionen (hier im Bankbereich) können sich also ganz neue Technologien etablieren und sehr schnell relevante Marktanteile erreichen. Für die vermeintlich abgeschlagenenn ergeben sich plötzlich neue Nischen.

Interessant für Afrika ist es natürlich, dass durch die schnelle Verbreitung von digitalem Geld auch echte M-Commerce-Anwendungen möglich werden. Könnte uns Afrika vielleicht eines Tages gar Entwicklungshilfe in Sachen M-Commerce geben? Ob sich die Große Verbreitung des digitalen Prepaid-Geldes für Afrika tatsächlich als Chance zeigt, wird davon abhängen, ob es afrikanischen Unternehmern gelingt, für die Zielgruppe M-Services anzubieten, die später auch in anderen Teilen der Welt Erfolg haben könnten.

 

Handy bedeutet Freiheit

Das Handy hat aber noch eine ganz andere Bedeutung: Es steht für Freiheit und der Unabhängigkeit von Institutionen, denen man nicht immer trauen kann.

So ist denn der wirtschalftliche und soziale Wandel, welches der Mobilfunk in einem unterentwickelten Land mit schlechten Straßen, undemokratischen Strukturen und einem schlechten Telefonnetz (und damit Internet) hat, ist enorm. Und eine Hoffnung für Afrika.

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