Der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales scheint nun mit seiner Suchmaschine Wikiasari endlich ernst zu machen. Wie der berichtet, will die geplante Wikia-Suche (Wikiasari) nun mit Hilfe eines verteilten Peer-to-Peer-Crawler-Netzes entsprechend viele Contents auf die Seiten schaffen. Kann dies tatsächlich zu einer Bedrohung für Google werden?

Nachdem Wikia bislang als Hosting-Plattfom für Wikis auftrat und eher unaufgeräumt wirkte, könnte durch die Übernahme von Grub Bewegung in die Suchmaschinen-Pläne von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales kommen. Diese Such soll dann Wikiasari heißen.

Peer-to-Peer als konsequente Erweiterung zur Wiki-Idee

Wie bei Wikipedia setzt Wales auch bei seiner Suche auf verteilte Organisationsformen. Die Idee hinter Grub ist dabei nicht neu. LookSmart hatte den Peer-to-Peer-Crawler Grub bereits Anfang 2003 übernommen und gestartet. Abr die Idee ist dennoch intelligent: Grub arbeitet wie ein Screensaver, der die ungenutzte Rechenleistung auf den angeschlossenen Computern zum Absuchen des Web nutzt. Im Ergebnis liefert er damit die Inhalte für eine verteilte Web-Suchmaschine. Ein ähnliches Projekt ist , welches neben verteiltem Crawling auch eine verteilte Suche bietet.

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Googles Geheimnis bald gelüftet?

Fast müßte man fragen, warum Google selbst bis heute nicht so arbeitet. Google betreibt nach Schätzungen gigantische Serverfarmen mit mehr als 100.000 Rechnern, um das Internet zu durchsuchen. Googles Traffic dürfte einen meßbaren Bereich des gesamten Internetverkehrs ausmachen. Die Auslagerung des ressourcenaufwendigen Crawling auf die verteilte Struktur des Netzes ist damit ein ressourcenschonender Schritt.

Die einzug plausible Antwort auf die Frage, warum Google noch nicht das P2P-Prinzip einsetzt, kann nur lauten, dass Google Angst hat, Teile seiner Technologie in fremde Hände zu geben. Tatsächlich ist niemals auszuschließen, daß ein solcher P2P-Client geknackt wird. Damit könnte sich Google allerdings eine strategisch wichtige Option verbauen.

Vielleicht ist es genau dieser schwache Punkt, an dem Wikia Google treffen will. Denn Wales will eine offene Such-Plattform schaffen, deren Algorithmen nicht geheim gehalten werden, wie es bei großen Suchmaschinen heute der Fall ist. Damit ist auch nicht auszuschließen, daß nach und nach immer größere Teile des Google-Algorithmus in Wikia einfließen. Wie soll Google überprüfen, was seine Entwickler in der Freizeit treiben?  Natürlich helfen Softare-Patente. Aber wenn der Geist erst einmal aus der Flasche ist, läßt er sich nur schwer wieder zähmen.

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Spammer und eine Crowd an MüllsortierernÂ

Wales zufolge geben es ein enormes Interesse auch von kommerziellen Anbieter nach einer transparenten und offen Such-Plattform. Ist jedoch der Suchalgorithmus ebenfalls bekannt, dürften Spammer, die ersten sein, die das ausnutzen. Die Suchergebnisse wären praktisch unbrauchbar und damit die Suchmaschine im Grunde wertlos. Spam war – wer erinnert sich noch – auch der Tod der damals führenden Suchmaschine Altavista.

Der Schlüssel könnte in der Kombination mit der Wiki-Idee liegen. So könnte Wales Crowdsourcing nutzen, um Spam durch das Wiki-Prinzip auszumerzen. Fragt sich nur, ob die ehrenamtlichen Helfer der Geschwindigkeit den Rechnerfarmen der Spam-Mafia gewachsen sind. Vom Prinzip her, könnten die Wiki-User also so den Job eines Müllsortierers übernehmen. Es gibt Dinge, da sind Menschen Maschinen überlegen…

Anders als die Mitarbeit an Wikipedia dürfte so ein Job wohl nicht gerade einem feuchten Hippie-Traum entsprungen sein. Nicht umsonst gilt der Job des Müllsortierers neben dem Pharma-Stricher (Medikamententester) als einer der .

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Reichen die Anreize?

Aber auf die User wartet noch mehr Arbeit. Neben meiner Spekulation auf einen Job in der Müllsortieranlage muß unächst einmal die Qualität und Leistung von Grub selbst verbessert werden, um eine ernsthafte Konkurrenz für Google werden zu können. Denn noch läuft Grub unter einer Uralt-Version auf dem Stand von 2005.

Es bleibt abzuwarten, ob sich die freie Entwicklergemeinde der Idee annimmt und bereit ist, kostenlos für Wales in die Bresche (äh Müllsortieranlage) zu springen. Mal sehen, ob er mit Grub das AAL-Prinzip so geschickt ausnutzen kann, wie er es mit Wikipedia geschafft hat… Als ersten konsequenten Schritt hat Wales jedenfalls schon einmal Grub unter eine Open Source-Lizenz gestellt.

Aber es kommt immer das heraus, was herauskommen muß, wenn man ein Problem ausschließlich mit Technik lösen will. Ich habe bereits in der Vergangenheit über die Zukunft genosenschaftlicher Geschäftsmodelle geschrieben. Man könnte auch von kooperativen Geschäftsmodellen sprechen. Konsequenter wäre es von Wikia deshalb, mit der Technologie auch ein Abrechnungs- und Beteiligungsmodell einzuführen, welches das Angebot an Rechnerressourcen in Abhängigkeit von der benötigten Crawling-Nachfrage stellt und daraufhin einen Marktpreis ermittelt. Dieser könnte in Form von Genussrechten an Werbeeinnahmen ausgezahlt werden. Nebenbei wäre das ein fairer Weg, um auch den Usern etwas für Ihre bereitgestellte Rechnerleistung zurückzugeben.

Ob dieser Weg Wikia noch offen steht, ist schwer zu sagen, denn nach Angaben von de.internet.com haben Wikia und LookSmart kürzlich eine Zusammenarbeit im Bereich Online-Werbung vereinbart. LookSmart wird Anzeigen auf den von Wikia gehosteten Wikis und später auch auf den Ergebnisseiten Wikiasaris einblenden. Die Einnahmen teilen sich beide Unternehmen.

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Graswurzelansatz unverkennbar

Der ideologische Hintergrund des P2P-Crawlings ist bei Grub wie bei den meisten anderen Projekten dann auch unverkennbar. Die meisten P2P-Crawler kommen aus der Graswurzelszene und verfolgen, möglichst das ganze Netzwerk zensurresistent zu machen. Grundsätzich eine bestechende Idee, wenn es keine zentralen Server gibt, die irgendwelche Blocklisten verwalten könnten: eine Suchmaschine als Aufklärungs-Virus für autoritäre Regime.

So gesellen sich neben Grub und Faroo noch weitere P2P-Crawler wie etwa , eine auf dem Gnutella-Netz aufbauende P2P-Suchmaschiene, bei der jeder Teilnehmer Bandbreite und etwas Festplattenkapazität zur Verfügung stellt, oder als nicht quelloffene Alternative das Projekt .

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Fazit

Ideologisch dürfte ein Beteiligungsmodell wie das von mir skizzierte für Wikipedia zu viel verlangt sein, aber auch das  AAL-Prinzip wird irgendwann sein Ende finden oder durch effizientere Maßnahmen ergänzt werden müssen.

Vielleicht schauen sich ja die Projekttreiber des europäischen mal bei Wikia vorbei und machen es einfach noch einen Tick besser… silveressay.com

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