Zu viel des Guten ist das Gegenteil von gut. Und mehr ist nicht immer besser. Das gilt nicht nur für das Verspeisen von Negerküssen, wobei es dem Schleckermaul ab einer bestimmten Menge einfach nur noch schlecht wird, sondern auch für so profane Dinge wie die Nutzung von Internetdiensten. In Social Networks wirken nicht nur psitive Netzwerkeffekte, sondern auch negative Netzwerkexternalitäten, die den Wert im Extremfall gegen Null tendieren lassen können.

Es gilt als unumstößliche Tatsache, dass innerhalb von Social Networks und auch in herkömmlichen Online-Communities sogenannte Netzwerkexternalitäten bestehen. Ein Netzwerk ist nur dann wirklich interessant, wenn möglichst viele Bekannte ebenfalls darin zu finden sind. Je größer die Verbreitung des Networks, je mehr Mitglieder, desto höher – so die allgemeine Auffassung – sind auch die Netzwerkeffekte.

Die Group Forming Network Effects des David Reed haben die Euphorie noch angefeuert, da hier eine zweite Ebene eingezogen wird und davon ausgegangen wird, dass die Menge an Untergruppen und zusätzlicher Kommunikationskanäle innerhalb der Mitgliedergruppe die Externalitäten weiter steigert.

In der Regel wird davon ausgegangen, dass der Nutzwert für einen einzelnen User aus einer Netzwerk-Mitgliedschaft sogar exponentiell mit der Anzahl der Mitglieder steigt. Auf dieser Grundannahme basieren die meisten Bewertungen der Betreiberfirmen der Online-Plattformen. Auch die gängigen Premium-Geschäftsmodelle wie bei XING basieren auf der Annahme eines besonders großen Nutzens für die Extremnutzer. Je intensiver jemand die Plattform nutzt, desto höher müsste der individuelle Nutzen sein.

Doch bevor man bereits von sog. Lock-In-Effekten träumt sollte man sich eins vor die Augen halten: mit dem Wachstum an Mitgliedern wachsen auch die ungewollten Kontakte und die daraus resultierende störende Kommunikation. Es gibt neben den positiven auch negative Netzexternalitäten. Die Anzahl der Störer wächst ebenfalls exponentiell und kann bei entsprechend unbedachter Ordnung wie etwa auf Facebook durchaus extreme Formen annehmen. Nur wer die negativen Effekte identifiziert und den positiven Effekten gegenüberstellt, kann den Gesamtwert einer Applikation für den Nutzer abschätzen.

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Beispiel

Beispiele für negative Externalitäten finden sich in allen großen Social Networks. Facebook etwa fasziniert viel User aufgrund seiner vielen Applikationen. Doch nicht immer machten diese nur Freude. Freut man sich anfangs noch, dass einen fremde Menschen aus Ländern wie Equador, Indonesien oder den USA kennenlernen wollen, kann der Spaß schnell in unerwünschte Störungen ausarten. Denn es bleibt nicht nur bei der Kontaktaufnahme. Man wird mit den Minifeed-Hinweisen gestört und erfährt, welche Applikationen die anderen (unbekannten) Mitglieder jetzt nutzen. Man erhält ständig Einladungen zu neuen Applikationen, etc. Mittlerweile hat Facebook das Problem erkannt und erlegt den Anbietern der Applikationen stärkere Auflagen zur Verwendung der Mitgliederdaten auf.

Bei XING können z.B. die Gruppen-Newsletter stören, die mit der intensiveren nutzung vermehrt verschickt werden. Die Störungen sind unterschiedlicher Art und jeder Nutzer bewertet sie individuell anders. Ganz allgemein können aber negative Externalität als der Zeitverlust verstanden werden, der durch die Störungen entsteht.
Vielen ist dieser Informations Overkill das erste Mal richtig auf der re:publica 08 aufgefallen. Fast jeder schien einen Twitter-Account zu haben, Fotos auf Flickr einzustellen und auf seinem eigenen Blog über das Geschehen auf dem Panel zu berichten. Eine Unzahl von Kommentaren musste vor Ort beantwortet werden und mancher fragte sich, warum er eigentlich nach Berlin gereist war, wo er doch alles auch hätte online miterleben können. Die Kommunikation drehte sich wie eine Mühle, die nichts als Kopfweh hinterließ. Die extreme Vernetzung hatte negative Effekte produziert. Es war zu viel des Guten.
Spam als Geschäftsmodell?

Als Geschäftsidee könnten paradoxerweise gerade die negativen Netzwerkeffekte taugen. Denn treten zu Beginn der Mitgliedschaft nur die positiven Effekte auf und verführen zu einer immer stärkeren Nutzung und damit auch Identifikation des Users mit der Plattform, so werden die Störungen erst im späteren verlauf spürbar. Dann aber dürfte manch einer bereits so stark im Netz verwoben sein, dass er gern bereit ist, für einen kleinen Obolus die Störungen zu beschränken.

Ein Vergleich zu Email drängt sich auf. Die Benutzung von Email ist kostenlos, aber sobald das Email-Konto eine Weile eingerichtet ist, beginnt der Spam. Er nimmt um so leichter zu, je mehr Personen die Email-Adresse kennen und je länger die Adresse aktiv ist. Ab einem bestimmten Punkt der Nutzung sind die Störungen duch Spam so hoch, dass sie den positven Nutzen (der ebenfalls ein reiner Netzwerkeffekt ist) zunehmend auffressen. Dies kann so weit gehen, das manch ein Nutzer die Email-Adresse wieder aufgibt. in diesem Fall wären die negativen Effekte höher als die positiven Effekte, bzw. der Nettoeffekt aus einem neuen Konto abzüglich der Wechselkosten immer noch positiv.

Antispam-Software senkt diese negativen Effekte. Ebenso können Betreiber von Social Networks die Störungen für ihre Premium-Kunden beschränken oder diesen Tools geben, ihre Privacy besser zu justieren. A typical eleventh grade student with http://essaydragon.com a 2

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