Im Mittelpunkt des gestrigen Kölner Netzökonomie-Campus stand die Frage, wie die Dialogfähigkeit zwischen alter und neuer Wirtschaft verbessert werden könnte.

Ich hatte die Runde schon einige Mal im Livestream geschaut – diesmal war ich selbst dabei (4. v. r.). Mit von der Partie waren (von links) Marcus Jacobs, Prof. Dr. Klemens Skibicki (Cologne Business School, Convidera), Ulf Reichhardt (Geschäftsführer IHK Köln), Winfried Felser (Competence-Site, Netskill AG), Michael Jopen, Dieter Zachrau und Gunnar Sohn (Neue Nachricht, The European).

Beim Netzökonomie-Campus handelt es sich um eine netzökonomische Debatte, die über Google Hangout on Air live gestreamt wird und später via YouTube abrufbar bleibt.

Bei den Gesprächen ging es im allgemeinen um die Frage, was in Deutschland aus wirtschaftlicher Perspektive getan werden muss, damit der  in den digitalen Bereichen überwunden werden kann und die deutsche Mittelstandswirtschaft gegenüber den USA aufschließen kann.

 

Die erste Halbzeit ist verloren

Zitiert wurde T-Systems-Chef Reinhard Clemens, der die erste Halbzeit der digitalen Revolution für Deutschland für verloren hält und der Ansicht ist, wir wären dabei auch die zweite Halbzeit zu verlieren. Diese Einschätzung wurde weitgehend geteilt. Wie können also alte und neue Wirtschaft besser ins Gespräch gebracht werden?

Dazu passte, dass als Special Guest IHK-Geschäftsführer Ulf Reichhardt teilnahm, denn dieser hat sich mit der rheinländischen das ehrgeizige Ziel gesetzt, wie er es selbst formulierte, seine Mitglieder dazu zu bringen, sich selbst die Frage zu beantworten, inwiefern das eigene Geschäftsmodell noch zukunftsfähig sei. Ehrenwert sein Anspruch, dass er sich unter anderem mit solchen Impulsen seinen Mitgliedsbeitrag erst verdienen würde.

Ich äußerte die Meinung, dass schon viel erreicht wäre, wenn der Mittelstand unter einer digitalen Strategie mehr als eine neue Homepage verstehen würde. Und wenn vielleicht auch einige Digitalagenturen erkennen würden, dass sie ihre Kunden stärker herausfordern müssen, wenn sie nicht zu reinen digitalen Malerunternehmen degenerieren wollen.

 

Impulse und Überraschungsmomente durch offene Formate

Die neuen digitalen Initiativen dürfen nicht zu Hinterzimmer-Veranstaltungen werden, sonst erzeugen sie mittelfristig das Gegenteil von dem, was sie fördern wollen.

In diesem Zusammenhang warben Gunnar Sohn und Winfried Felser für mehr offene Formate im Transformationsprozess auch in einer Stadt wie Köln. Das von der Bertelsmann-Stiftung organisierte Barcamp Arbeiten 4.0 in Berlin habe einiges bewirkt. Marcus Jacobs ergänzte, dass auch ein Barcamp im Jahre 2009 so etwas wie ein Startschuss für viele regionale Initiativen wie etwa die Internetwoche Köln gewesen sei. Ich selbst stellte fest, dass es insbesondere die Themencamps seien, die oft über eine hohe Qualität verfügten. Denkbar seien auch duale Formate, wie ich sie etwa 2013 beim MOOC-Forum in Frankfurt erlebt habe, bei der eine Fachkonferenz von einem Barcamp begleitet wird.

Klemens Skibicki gab dagegen zu bedenken, dass man nicht darauf warten könne, bis der Mittelstand selbst einen Weg gefunden hat, sondern man es ihnen sagen müsse, wie sie es machen sollen. Nach seiner Ansicht erzeugten offene Formate und Bloggertreffen wie etwa die Republica zu wenig Aufmerksamkeit bei den Entscheidern.

Gunnar Sohn erwiderte, dass allerdings Formate wie die SXSW in Austin schon viele Impulse zu neuen Apps und Geschäftsmodellen gegeben habe, was in Deutschland fehlen würde. Ich selbst war der Ansicht, dass die vom Web de Cologne e.V. organisierte Interactive Cologne ein interessanter Nukleus für ein offene Veranstaltungsformat im Rheinland sein könnte.

Ulf Reichhardt reizt an offenen Formaten das “Überraschungsmoment” und genau dort trifft der IHK-Geschäftsführer meiner Meinung nach ins Schwarze.

Einig war man sich darin, dass das Rheinland in der vernetzten Welt mit seiner offenen Mentalität einen unschlagbaren Standortvorteil habe, den man nun dringend nutzen sollte. Gut zu hören, dass IHK-Geschäftsführer Ulf Reichhardt denn auch den Schulterschluss mit anderen regionalen Initiativen wie etwa der Digitalen Stadt Düsseldorf sucht.

 

Wer ist wirklich reformfähig?

Aber kann man eigentlich jedes Unternehmen digitalisieren? Sind wirklich alle reformfähig?

Nicht jeder Mittelständler kann zur eigenen Plattform werden, einige aber schon. Für solche Unternehmen kann auch eine API eine Form des Dialogs sein. Eine Einladung an Entwickler, mit dem eigenen Angebot zu spielen. Ein Unternehmen, welches eine API veröffentlicht, geht damit einen ganz entscheidenden praktischen Schritt in Richtung Öffnung und Vernetzung – und zwar abseits reiner Digitaldebatten.

 

Konkrete Fragen stellen

Klemens Skibicki schlug vor, den Unternehmern konkrete Fragen zu stellen, etwa wie man mit den Mitteln der Digitalisierung Probleme wie fehlende Kinderbetreuung, Verkehrsinfarkt etc. besser lösen könnte. Ein guter Vorschlag, den man in der IHK weiter konkretisieren sollte.

Als Ergebnis des Dialogs vom Sonntag würde ich eine Reihe von Wettbewerben vorschlagen, mit der die Stadt Köln bzw. das vernetzte Rheinland – das ‘Rheingold Valley’ – digital konzeptionell in Führung gehen könnte. Um diese Themen herum könnten themenspezifische dual-offene Dialogformate eingerichtet werden. Für Köln und Düsseldorf würden sich für die Region die Themen Versicherungswirtschaft, Video, Mode und Werbung empfehlen. https://www.trackingapps.org/

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