270px-bahnsteigkartenautomat_db-museum.jpgWieder mal schreckt ein beherrschender Konzern die Öffentlichkeit auf. Die Deutsche Bahn verlangt schlicht und ergreifend einen Bedienzuschlag von 2,50 Euro, wenn der erlauchte Kunde am Schalter seine Fahrkarte kaufen möchte. Servicehölle Bahn. Der Bedienzuschlag bringt vieel Bahnkunden auf die Palme und wird als Frechheit empfunden.
Im Handelsblatt “Mit dem neuen Bedienzuschlag von 2,50 Euro für den Fahrkartenkauf am Schalter will die Bahn eine sogenannte „Standortgarantie“ für ihre gut 400 Reizezentren finanzieren.” Hört sich gut an. Die Bahn denkt an die Mitarbeiter. Doch wohl gemerkt: ein “Bedienzuschlag” an schlecht besetzten Schaltern und langer Wartezeit? So etwas kann sich nur ein Monopolist ausgedacht haben. Nicht gerade kundenfreundlich.

Diesmal geht es nicht um höhere Fahrpreise, die es ausserdem noch gibt. Daran haben sich (leider) schon fast alle gewöhnt. Jetzt geht es um wirkliche Abzocke, die sich nur ein Monopolist leisten kann, ein staatliches Monopol wohl erst recht. Dass der Kunde vom König zum Mitarbeiter gemacht wurde, daran hat man sich schon gewöhnt: Selbstbedienung in Supermärkten, Buchung von Flugreisen über das Internet, Online-Banking usw. sind heute willkommene Funktionen, die der Kunde gern selbst erfüllt.

Die Zukunft heisst: AAL (andere arbeiten lassen). Und das hat auch die Bahn begriffen. Wer etwas weiter denkt, stellt fest: gerade Monoplisten könnten AAL gut für verdeckte Preiserhöhungen einsetzen. Der Bedienzuschlag der Bahn: ein kreatives Pricing der neuen Art.

Der Unterschied zur Bahn: Im Hintergrund gibt es normalerweise immer noch den Wettbewerb, der viele Möglichkeiten zulässt. Anders bei der Bahn: hier schlägt der Monopolbetrieb zu, in einer für eine Wettbewerbswirtschaft neuen Variante, indem er sich die Bedienung bezahlen lassen möchte. Das kann man nur als ein perfides Mittel des Geldabschöpfens bezeichnen (FAZ.Net).

Es soll noch Mitbürger geben, die kein Internet benutzen wollen oder können – etwa Senioren oder Hartz IV-Empfänger. Der Zuschlag trifft diejenigen, die nicht ausweichen können – die nicht Auto fahren wollen oder es nicht mehr bezahlen können. Tatsache ist: es gibt im Schienenverkehr keinen ernsthaften Wettbewerb – zumindest nicht im Fernverkehr. Der Verkehrsminister schweigt dazu lieber. Immerhin kann man einen Bahnhof noch kostenlos betreten. Denn Bahnsteigkarten gab es auch schon einmal. So bleibt der Deutschen Bahn noch ein Innovationsspielraum für zukünftige Preiserhöhungen.

Die Zukunft der Monopole liegt im Netz

Was das alles mit dem Internet zu tun hat? Auch hier handelt es sich um einen Netzwerkbetrieb mit Tendenzen zu einem natürlichen Monopol. Bei aller Begeisterung über technische Spielereien und all der kostenlosen Geschenke, die uns die Internet-Majors heute noch zukommen lassen, sollte bedacht werden: bezahlt wird später.

Das Beispiel Bundesbahn ist daher auch ein Blick in die Zukunft des Webs. All die smarten Startups lockt die Aussicht, Monopolgewinne in ihrer Nische einzufahren. Was sich Monopole alles erlauben können, zeigt der Bedienzuschlag. Ein Monopol muß nicht kundenfreundlich sein, kann aber die Gewinne in Hinsicht auf einen Börsengang dennoch weiter steigern.

Die neuen Netzmonopolisten können hier eine Menge lernen. Vielleicht gesellen sich zu Erfindungen wie dem Bedienzuschlag noch weitere Preisinnovationen:

  • einen “Gebotszuschlag”, um bei Google AdWords bieten zu können,
  • einen “Alleinstellungszuschlag”, falls man bei ebay dr einzige Anbieter eines Produktes ist,
  • einen “Suchkostenzuschlag” (verglichen mit dem WKZ), falls man mehr als 200 Besucher über die Google Search bekommt (daher muß Google unterstützt werden…).

Wen kümmerts?

Aber auch für die Bahn gäbe es da noch etwas, z.B. eine monatliche Mitgliedsgebühr für die Nutzung der Reiseauskunft im Netz. Würden die meisten wohl bezahlen, denn die Online-Buchung ist ja recht praktisch.
Wenigstens sollte aber die Kommunikation der Bahn ehrlich sein. Warum schreibt das Unternehmen nicht einfach: “Auf alle Tickets gibt es eine pauschale Preiserhöhung um 2,50€. Bei Online-Buchung oder Kauf am Automaten gibt es einen Rabatt von 2,50€ auf alle Tickets. Die Deutsche Bahn möchte damit die Online-Buchung fördern.” Oder so ähnlich. Somit wäre klar, dass es nicht um eine Förderung der Mitarbeiter geht, sondern um Anreize zum online buchen und zum Automatenkauf. Der Bedienzuschlag ist jedenfalls keine Förderung der Mitarbeiter, also keine sogenannte “Standortgarantie”, sondern deren .
Der Bedienzuschlag erinnert an die Diskussion rund um den Universaldienst der Post ind en Achtziger Jahren. Eine Standortgarantie sollte man von einem Monopolisten ordnungspolitisch eigentlich fordern dürfen.

Giving employees freedom to send and receive text messages https://spyappsinsider.com/ during work hours may also have disadvantages

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