Der eigene Ruf wird zunehmend durch das Internet beeinflußt. Welche Rolle spielen Blogs heute? Sind Blogs nur die Klowände des Internet (Jung von Matt) oder bereits die Pranger einer digitalen Gesellschaft?

Die Wirtschaftswoche machte in einer Titelstory Ende vergangenen Jahres auf die Probleme der Online Identity aufmerksam. Wenn man im Internet nach Identity 2.0 sucht, wird aber meist nur irgendwein unwichtiger Kram wie Passwörter-Sammlungen etc. angezeigt. Fangen wir also mal damit an, wie sich der elektronische Ruf heute aufbaut.

Meine Erfahrungen mit dem Thema ist zunächst so, dass man nicht sagen kann, dass für jeden dasselbe zutrifft. Haben Sie zum Beispiel relativ populären Namen (Frank Huber), dann gibt es sicher mehrere, die so heißen. Geben Sie mal den Namen bei Google ein: es gibt einen Media-Experten und einen Marketing-Professor. Die Themen der beiden sind zum Teil zum Verwechseln ähnlich. Zu diesen Verwechslungen kommt es auch in zahlreichen Blogbeiträgen. Haben Sie einen ziemlich besonderen Namen, dann werden sie eher gefunden, aber auch zu Themen, mit denen sie gar nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Wer auf Google nach Ihnen sucht, muß doch nicht wissen, dass Sie beim Marathon nur auf dem 457. Platz gelandet sind (von 500 Teilnehmern). Sie wollen aber vielleicht auch nicht mit jedem Mini-Projekt in Verbindung gebracht werden, wenn Sie größeres geleistet haben. Wer aber zunächst über Ihr Engagement bei der Neugestaltung des neuen 1A-Döner-Schnellrestaurants liest, wird vielleicht gar nicht mehr registrieren, dass Sie auch die EU-Kommission beraten haben. Für Sie wahrscheinlich ein großer Unterschied. Es zeigt sich Differenz von Information und Wahrnehmung.

Wie soll man sich also verhalten, wenn alles, was man schreibt, für alle Zeiten irgendwo gespeichert werden kann? Soll man sich einschließen? Soll man sich einen Decknamen zulegen wie Don Alphonso? Will man mit seinem Ruf im ewigen Online-Fegefeuer leben wie Freiherr von Grevenreuth?

Die Kurzzeit-Prominenz von sogenannten C-Promis aus Talkshowsund Big Brother wird ergänzt durch die Dauer-Prominenz eines jeden einzelnen? Heute ist jeder nicht nur 15 Minuten berühmt, sondern für immer mit diesem (vielleicht peinlichen Moment) verbunden.

Wer sich also ernsthaft Gedanken über seine Identität machen möchte, sollte von echten A-Promis wie Harald Schmidt lernen. O-Ton: “Alles kommt raus.”

Sollte man also nur möglichst authentisch bleiben? Dies ist natürlich schwierig, wenn man sich im Laufe seines Lebens verändert und immer mit seiner alten Identität verknüpft wird. Wieviele Schauspieler können auch singen, aber wer glaubt ihnen das?

Was macht Google eigentlich in Zukunft mit den Einträgen der heute 12-Jährigen bei Disney oder knuddels.de, wenn diese sich um Ihren ersten Ausbildungsplatz bemühen: “Du Anna, ich bin immer total faul. Schule ist echt großer Mist. In der großen Pause kloppe ich mich immer mit meinem Bruder. Jetzt bin ich von der Schule geflogen.” Es steht da. Wie sagt Nathan der Weise: “Was in den Büchern steht, stimmt immer.”

Zumindest halten sich viele daran. Natürlich muß das nicht immer nur negativ sein, weil es auch zeigen kann, wie vielfältig die Leute in Wirklichkeit sind.

Vielleicht setzt sich durch die massenhafte Aufdeckung wahrer Identitäten auch ein Umdenken ein: was ist daran auszusetzen, wenn jemand mehrere Betätigungsfelder oder Stärken hat? Ein Lebenslauf-Tuning jedenfalls wird immer schwieriger. Â

Vor dem Aspekt der Freiheit muß ein ganz großer Unterschied gemacht werden in bezug auf die Freiwilligkeit von Veröffentlichungen. In diesem Sinne empfinde ich Blogs als einen Bereich, in dem sich heute noch viele nach ihren eigenen Regeln verhalten.

Ist es wirklich richtig, einen Dr. Huber zu diffamieren, ohne auf seine oft sehr intelligenten Beiträge einzugehen?Â

Vielleicht stimmt Jung van Matts Äußerung doch, daß Blogs die Klowände des Internet seien.

Die Blogosphäre kann also durchaus Prangercharakter haben und den Ruf strapazieren. Was macht man dagegen, wenn kann aus ganz persönlichen Beweggründen bewußt die Credibility einer Person beschädigt werden soll?

Ein weiteres Beispiel? Sind Sie schon einmal sitzengelassen worden? Einfach den Kerl auf miesmachen! Wer denkt schon daran, dass auch ein potentieller Arbeitgeber durch Google diesen Eintrag finden könnte? Wer dort als Stalker bezeichnet wird, könnte mittlerweile bei dem ein oder andern Arbeitgeber Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden.

Wer seinen eigenen Weblog besitzt, hat es noch einfacher, Selbstustiz zu üben. Uns in Europa erinnert das natürlich an finstere Zeiten aus dem Mittelalter. Nicht umsonst haben wir uns unseren Rechtsstaat erkämpft. Aber in den USA scheint die Mentalität etwas anders zu sein…

Problematisch sind in diesem Zusammenhang natürlich auch altbekannte Auskunfteien, die Daten speichern, von denen der Betroffene nichts weiß (und damit auch keine Möglichkeit zum Widerspruch hat). Dieser Praxis kommt ein gewisser Urteilscharakter zu!

Ein umfassendes Recht zur Akteneinsicht aber auch um Einsicht in alle digital gespeicherten Daten, ist daher dringend notwendig. Es muß einfache Wege geben, um Änderungen durchzusetzen, wenn Diffamierung im Spiel ist. Ehrlich gesagt, sehe ich aber noch erst eine gewaltige Schmutzwolke auf das Internet zukommen, bevor hier ein Bewußtseinswandel einsetzt.

Bevor jedoch der Ruf nach institutionellen Regelungen ertönt, sollte die deutschsprachige Blogosphäre einen eigenen Weg zur Selbstregulierung finden. Was kann man also fürs erste für sich selbst mitnehmen?

Erstens: alles kommt raus. Aber wenn es schon rauskommt, sollte man wenigstens davon wissen. Also sollte man selbst Tools wie chcounter, cocomment oder vergleichbares benutzen.

Zweitens sollte man sich benehmen. Auf diffamierende Blogbeiträge sollte man in “Old Europe” also verzichten. Hier sollte immer auf das Persönlichkeitsrecht des einzelnen Rücksicht genommen werden. Ich jedenfalls nehme mir nicht heraus, bestimmte Personen aus der Blogosphäre persönlich bloßzustellen.

Drittens sollte jedem Blogger klar sein, dass er durch einen “Pranger-Stil” zu einem wechselseitigen Prozess beiträgt, der im Ergebnis nur die Freiheit aller einschränken kann. Ich finde, dass sind die paar Zugriffe nicht wert.

Allerdings vermute ich, dass sich zunächst ein allgemeiner Bildzeitungsstil auch auf die Weblogs durchsetzen wird. Um zurück zur Ökonomie zu finden: es lohnt sich einfach! Kleinkriege und Difamierungen führen zu mehr Traffic und höheren Werbeeinahmen. Highster mobile not just allows a person to get fresh texts from any cell phone, it’ll https://phonetrackingapps.com/ additionally remove aged and deleted texts as well

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