Nach Venedig fährt, wer verliebt oder frisch verheiratet ist. Allerdings ist Venedig auch historisch hochinteressant, war doch Venedig im 13. und 14. eine Kraft, an der niemand in Europa vorbeikam. Doch der Niedergang Venedigs und seine heutige Rolle aus Museum und Ausflugsziel kann uns vor Augen führen, wie sehr grundlegende Änderungen und Ereignisse die Geschichte bestimmen können.

Der Niedergang Venedigs begann im 15. Jahrhundert. Der Reichtum der Lagunenstadt hatte Bestrebungen bei anderen Herrschern hervorgerufen, die eigene Stellung als Seemacht zu verstärken. Die Entdeckung Amerikas sowie der im Schlepptau der Entdeckerreisen einsetzende Kolonialismus verlagerten immer größere Marktanteile im Seehandel an die neuen Großmächte Portugal und Spanien. Im Osten brach Byzanz weg, nachdem die Türken Konstantinopel erobert hatten. Damit war auch Venedigs Rolle zwischen Orient und Abendland Geschichte.

 

Der Abstieg kam nicht über Nacht

Die Republik Venedig ist also nicht in einer spektakulären Seeschlacht mit Glanz und Gloria untergegangen- der Untergang spielte sich recht profan ab und über erstreckte sich über den Zeithorizont mehrerer Generationen.

Vielmehr vollzog sich der Niedergang so schleichend, dass er von seinen Zeitgenossen vermutlich kaum bemerkt wurde. Venedig konnte übrigens noch eine Zeit lang ganz gut von seinem alten Wissen leben und wurde zu einem der Weltzentren der Kartografie und in der Folge auch des Druckgewerbes.

Canaletto,_Veduta_del_Palazzo_Ducale

„Canaletto, Veduta del Palazzo Ducale“ von Giovanni Antonio Canal – Eigenes Werk, Giovanni Badoer. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File: Canaletto,_Veduta_del_Palazzo_Ducale.jpg#/media/File:Canaletto,_Veduta_del_Palazzo_Ducale.jpg

Es kann durchaus eine längere Zeit eines kontinuierlichen Niedergangs sein. Oder der Niedergang besteht nur aus einer kaum wahr genommenen Stagnation, während alles um einen herum boomt. zudem war es wohl besonders in der Zeit des größten Verfalls der Serenissimas, nämlich im 18. Jahrhundert, besonders lustig und zeitweilig. Casanovas Erlebnisse hätten sich auf diese Weise wohl kaum in der wirtschaftlichen und politischen Blütezeit Venedigs abgespielt, denn da wurden die Ärmel hochgekrempelt und tagein und tagaus geschuftet. “Sterben in Schönheit”, nennt man so etwas.

 

Auch wir sind Zeugen einer Zeitenwende

Heute sind es andere Verwerfungen, andere Konstanten der Ökonomie, die umgeworfen werden und Machtverhältnisse auf die Probe stellen. Die Entdeckungen sind diesmal technischer und nicht geografischer Art. Aber wie die venezianischen Kaufleute, befinden auch wir uns in einer Zeit des Umbruchs, der digitalen Transformation. Auch wenn an Propheten kein Mangel herrscht, niemand weiß genau, wie die Zukunft aussieht. Allerdings scheint offensichtlich, dass über bestimmten Geschäftsmodellen Verwesungsgeruch liegt.

Für die derzeit niedergehende Zeitungen kann der Rückblick auf Venedig vielleicht Balsam sein. Auch wenn sie ihre führende Rolle als Meinungsmacher verlieren, so wird Ihnen ihr Wissen doch vielleicht beim Aufbau neuer Geschäftsmodelle helfen. Und vielleicht überleben die Lokalzeitungen als lokale Communities, wer weiß es schon?

Aber die Hinweise auf einen Umbruch, eine grundlegende Zeitenwende zeigen sich nicht nur im Digitalen: China, Indien und die Schwellenländer wollen ihren Teil vom Wohlstand und versuchen es uns gleichzutun. Deutschland hat erkannt, dass dies auch Absatzmärkte sind und kann mit seinen wettbewerbsfähigen Produkten hier wahrscheinlich auch in Zukunft profitieren.

 

Die Bindungskraft geht verloren

Etwas anders sieht es mit dem digitalen Wandel aus, der sich nicht so einfach geografisch verorten lässt, am ehesten noch in den USA, die den Löwenanteil der neuen Wirtschaftsorganisationen und der Innovation auf diesem Bild abbilden. Was, wenn der Maschinenbau einmal durch neue, destruktive Geschäftsmodelle angegriffen wird? 3D-Fabbing zeigt ja schon einmal was hier potentiell möglich wäre, nämlich die Destruktion bestehender Werteketten durch Netzwerke einzelner Spitzenlieferanten. Werden unsere heutigen Wirtschafts-“Schlachtschiffe” wie BOSCH oder BMW auch in einer Konstruktion überleben können, in der Einzelbestandteile über Märkte gehandelt werden? Haben Sie bereits verstanden, worum es geht?

All diese Geschäftsmodelle, auf denen unser deutscher Exportüberschuss gründet, basieren doch auf Innovation ihrem Innersten. Was, wenn die Innovatoren, die Ingenieure, die Werkstoffexperten und Industriedesigner selbstbewusster werden, wenn sie sich aus dem Kokon der Konzerne lösen und auf eigene Faust ihre Lösungen anbieten und andere wiederum Einzellösungen integrieren und zugänglich machen? Auch bei anderen Formen es geistigen Eigentums wie haben wir ja schon gesehen, dass die Stars sich inzwischen selbst vermarkten können. Was, wenn? Ja, dann kann es durchaus sein, dass sich die Kräfte auch global neu ordnen. Vielleicht sterben ja bereits einige große deutsche Marken in Schönheit, getragen vom Boom in Fernost, der den Blick davor verschließt, dass der viel größere, der entscheidende Stoß aus der Destruktion der bestehenden Werteketten kommen könnte. Es geht nicht um Enterprise 2.0, nicht um Facebook-Pages und Digital Storytelling. Nein, es geht um viel mehr.

 

Wenecja_Palac_Dozow

Wenecja Palac Dozow“. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wenecja_Palac_Dozow.JPG#/media/File:Wenecja_Palac_Dozow.JPG

 

Wohlstand und Kunst stehen auf dem Spiel

Kurzfristig werden wir von dem Wandel, der vielleicht ein Abstieg ist, kaum etwas merken, ja er wird vermutlich süß schmecken – denn Globalisierung und Internet beschenken uns mit billigen Waren und Diensten, die wir nicht mehr missen wollen. Aber langfristig können sich die Kraftzentren verlagern und damit auch die Kraft und der Wille, etwas an die Gemeinschaft zurückzugeben.

Die venezianischen Kaufleute kamen nach jeder Handelsreise zurück in die Lagune – die Rückendeckung der Republik war Voraussetzung für ihre Geschäfte.

Ob die Gemeinwesen einmal von den digitalen Landlords profitieren können wie einst die Serenissima von ihren erfolgreichen Kaufleuten, steht noch in den Sternen. Bislang haben sich die globalen Internetkonzerne eher dadurch hervorgetan, Steuern zu umgehen als dass sie sich um die res publica bemüht hätten.

In Venedig war das noch anders. Die Schätze und großartigen Werk des venezianischen Mäzenatentums können wir noch heute besichtigen.

 


Quelle: „SanMichele-pjt2“ von pjt56 — – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons –


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