Edelight ist einer der Vorreiter im deutschen Social Commerce und hat gerade seinen ersten großen Relaunch hinter sich. Ein guter Anlaß bei den Gründern anzuklopfen und Zwischenbilanz zu ziehen und ein paar Hintergründe zu beleuchten. Thomas Vehmeier sprach mit Peter Ambrozy, einem der Gründer und Geschäftsführer von edelight.Â

Thomas Vehmeier:
Peter, bitte stell dich und edelight doch einmal kurz vor.

Peter Ambrozy:
Ich persönlich bin einer von drei Gründern von edelight. Verantworlich für die Bereiche Strategie, Marketing und Finanzierung. Ich bin verheiratet, habe 2 Kinder. Ich bin BWLer und habe in Karlsruhe und St. Gallen studiert.

Edelight ist eine Social Shopping Plattform, auf der Nutzer ihre persönlichen Produktbookmarks, Empfehlungen und Wünsche darstellen können.

Thomas Vehmeier:
Edelight ist ja zunächst als Geschenkeshop gestartet. In unserer ego-zentrierten Gesellschaft dürften sich die meisten jedoch lieber selbst etwas schenken. Wieso gerade Geschenke?

Peter Ambrozy:
Durch den Geschenkefokus war Social Commerce besser erklärbar, da jedem klar war: es fehlt den meisten an guten Ideen und einige wenige haben dafür immer welche. Also fehlt “nur” noch die Matching-Plattform. Das gilt aber auch für Shopping, daher war klar, dass der Fokus nach 6-12 Monater erweitert werden kann.

Thomas Vehmeier:
Also im Grunde für alle Produktsuchen, bei denen ich allein aufgeschmissen bin …

Peter Ambrozy:
Ja.

Thomas Vehmeier:
Nach Eurem Relaunch habt Ihr die Frage ja mit dem “Qual der Wahl”-Widget ja stark in der Vordergrund gerückt. Wie wird die Funktion angenommen und was wollt Ihr noch daran verbessern? Die Funktion wird aus unserer Sicht sehr gut angenommen. Wir haben bereits jetzt schon ca. 80 Umfragen auf der Seite. Es war aus unserer Sicht das logische und fehlende Element, um Nutzer bei ihrer Kaufentscheidung zu unterstützen.

Thomas Vehmeier:
Wie sieht der typische Nutzer einer Social Shopping-Plattform aus? Ich habe den Eindruck, dass nicht jedermann dort Dauergast wird und ständig produktbegeistert bleibt. Ich habe an mir selbst beobachtet, wie ich relativ schnell den Spaß beispielsweise an ThisNext verloren hatte. Wie sieht denn so ein Stammgast aus?

Peter Ambrozy:
Wir haben die Suchenden, die immer wieder kommen. die Empfehlenden, die über einen gewissen Zeitraum begeistert sind und dann immer wieder mit neuen Features begeistert werden wollen und diejenigen, die mit den Dankeschönprovisionen monetär partizipieren wollen. Dazu kommen die Merkenden und Wünschenden, die ein originäres Kundenbedürfnis stillen. Diese bekommst du nur als subtile bzw. indirekte Empfehler – dafür aber regelmäßig.

Thomas Vehmeier:
Die Entdeckung von Kundenbedürfnissen im direkten Dialog halte ich für eine interessante Möglichkeit von Shopping-Communities. Würdest Du Edelight als Community bezeichnen und wie wichtig ist das Community-Element? Oder sehen die Shopbetreiber in dieser Offenheit eine Bedrohung? Schließlich kann auch Unmut darüber aufkommen, daß es das neue Iphone nur bei T-Mobile gibt …

Peter Ambrozy:
Wir sind eine Community. Allerdings ist unsere Existenz nicht von der Maximierung der Community-Größe abhängig, wie bei reinen Communities. Ferner ist je nach Zielgruppe (z.b. bei den Wünschenden oder Merkenden) die Community nicht so relevant wie bspw. bei den Empfehlenden. Shopbetreiber sehen uns aktuell als Chance. Diese binden unseren “Empfehlen-Button” sehr prominent in ihre Shops ein. Ein Beispiel ist etwa styleon.de (in allen Produktdetailansichten). Das Beispiel iphone ist richtig. Im Grenzbereich wird es aber immer Unmut oder Unzufriedenheit geben.

Thomas Vehmeier:
Kann man sich über Produkte näher kommen? Gibt es schon Bekanntschaften unter Euren Shoppern? Funkt es zwischen Euren Nutzern oder steht die Provision im Vordergrund? Geld oder Liebe? Was ist das Motiv?

Peter Ambrozy:
Weder noch. Freunde, dienen dem inhaltlichen Austausch (von Ideen), nicht dem körperlichen. (Lacht). Je mehr Freunde, desto höher ist deine potentielle Glaubwürdigkeit und deine Empfehlungen.

Peter Ambrozy:
Die Provision ist der demokratische Beitrag für unsere Nutzer, da wir die Technologie und das unternehmerische Risiko tragen, die zeit und Kreaitvität aber von unseren Nutzern kommt.

Peter Ambrozy:
Demokratisch ist nicht der richtige Begriff. Fair.

Thomas Vehmeier:
Also Eure Antwort auf das AAL-Prinzip…

Peter Ambrozy:
Ja, genau.

Thomas Vehmeier:
Beim Social Shopping steht ja nicht die Transaktion, sondern das Einkauferlebnis im Vordergrund. Wäre es nicht sinnvoll, diesen Spaß noch stärker in die Shops hineinzutragen? Wie können bestehende Online-Shops ein bißchen mehr Spaß in Ihren Shop bringen?

Peter Ambrozy:
Sehr gute Frage. Die Shops haben sehr viel Angst, den Kunden zu verlieren. Diese Angst führt meines Erachtens zu Pseudo-Barrieren. Beispielsweise kann man sich Produkte nur aus einem Shop wünschen und merken, daß wenn man diese Barrieren reduziert bzw. abschafft, die Nutzer mehr Möglichkeiten und Spass, über Grenzen hinweg zu shoppen. Ich glaube, daß Amazon diesen Schritt irgendwann wagen wird.

Thomas Vehmeier:
Die hätten ja auch die Möglichkeit, die Logistik-Zentren zu öffnen und so ein shopübergreifendes Einkaufserlebnis zu ermöglichen …

Peter Ambrozy:
Genau. Sie öffnen ja die Plattform für immer mehr Themen und Händler.

Thomas Vehmeier:
Um beim Long Tail zu bleiben: das Logistikproblem scehint mir dort doch stark unterschätzt zu werden. Jeder kleine E-Händler versucht seine eigene Einkaufsstraße aufzumachen … Um beim Bild zu bleiben: der shopübergreifende Warenkorb hängt ja in gewisser Weise davon ab, ob Waren verschiedener Shops auch gemeinsam geliefert werden, sonst steigt der Versandkostenanteil zu sehr an. Verglichen mit dem realen Shopping wäre das so, als ob ich für jedes Produkt von einem anderen Händler in eine andere Einkaufsstraße fahren würde… Eigentlich wären Logistik-Dienstleister wie ILOPACK doch interessante Partner für Euch …

Peter Ambrozy:
Ganz ehrlich. Das Thema Logistik haben wir sehr genau diskutiert und es würde uns von unserem strategischen Fokus zu starkt ablenken. Ausserdem, ist aus unserer Sicht ein shopübergreifender Warenkorb noch überbewertet, da in der Regel nicht so viele unterschiedliche Produkte gleichzeitig gekauft werden.

Thomas Vehmeier:
Vielleicht ist das auch schon zu weit gedacht. Also zurück auf die Online-Einkaufsstraße… Welche Bedeutung hat die Zielgruppe Frauen beim Social Shopping?

Peter Ambrozy:
Die gleiche wie beim Thema Shopping im allgemeinen. Frauen haben die besten und meisten Ideen und investieren trotzdem mehr Zeit in die Suche na weiteren Ideen.

Thomas Vehmeier:
Frauen shoppen doch am liebsten mit ihrer besten Freundin … (Lacht).

Peter Ambrozy:
Und die können sie gleich einladen…

Thomas Vehmeier:
Wo siehst Du den derzeitigen Stand des Social Commerce in Deutschland im internationalen Vergleich?

Peter Ambrozy:
Ca. 6 Monate konzeptionell hinter den USA. Ca. 12 Monate im Kundenverständnis

Thomas Vehmeier:
Wird das Thema Widgets ein Katalysator für das Thema werden? Wie ich vorhin Ansprach, sind viele Händler doch sehr auf die Verschönerung ihres eigenen Shops aus. Wie schätzt Du die Bedeutung von Widgets ein? Wird es weitere edelight-Widgets geben?

Peter Ambrozy:
Widgets sind elementare Grundlage für eine virale Strategie – allerdings mit Fokus auf die Blogosphäre. Den Massenmarkt erreicht man damit nicht in zufriedenstellendem Maße. Wir werden also nur neue Widgets entwickeln, wenn es keine ähnlichen Anwendungen in Deutschland gibt und ein Mehrwert für den Nutzer besteht.

Thomas Vehmeier:
Um auf den Massenmarkt zu kommen: Wettbewerber wie Jollyday können nun kostenlose Plakatwerbung durch die Partnerschaft mit Stroer bekommen. Wenn nun die Republik mit jollyday-Werbung plakatiert wird, muß Euch das ja stören. Kommen wir in eine neue Phas eim Social Commerce wo man stärkere Partner braucht? Wie wollt Ihr darauf reagieren?

Peter Ambrozy:
Jollydays ist ein Nischenplayer im Bereich Erlebnis-Geschenke und hat mit mydays und Jochen Schweizer sehr potente Wettbewerber. Deratige Plakat-Aktionen deuten darauf hin, dass es sich bereits um einen partiellen Verdrängungsmarkt handelt. Sicherlich hätten wir gegen eine solche Vermarktung nichts einzuwenden. Ich bin aber indifferent, ob der Streuverlust für uns nicht zu hoch wäre.

Thomas Vehmeier:
Wie soll es mit Edelight in Zukunft weitergehen? Kannst Du uns etwas verraten?

Peter Ambrozy:
Wir haben jetzt funktional eine sehr gute Ausgangslage. Jetzt gilt es ganz pragmatisch die PS auf die Straße zu bringen. Wir wollen unsere führende Position behaupten bzw. ausbauen und daran arbeiten wir weiterihn hart. Analog der Integration von justaloud.com können wir uns aber weitere fokuserweiterungen sehr gut vorstellen, wenn wir unser spezifisches know-how skalieren können.

Thomas Vehmeier:
Das klingt sehr vage…

Peter Ambrozy:
Vage schon, aber es geht jetzt konkret darum, daß der Massenmarkt edelight verstehen und akzeptieren muß. Das schaffen wir nicht durch neue Technologie, sondern durch viel Überzeugungs- und PR-Arbeit.

Thomas Vehmeier:
Wie wichtig beurteilst Du Partnerschaften und die Integration von Partnern? Kann ein Social Shopping-Dienst überhaupt allein bleiben. Muß er sich nicht ebenfalls stark vernetzen?

Peter Ambrozy:Â
Die Integration potentieller Ergänzungsprojekte ist durchaus relevant. Wir sind mittlerweile eine anerkannte Anlaufstelle für junge Startups. Und das wollen wir weiter ausbauen

Thomas Vehmeier:
Was wären interessante Partner für Edelight?

Peter Ambrozy:
Es ist gut vorstellbar, dass aufgrund der ganzen Nischenplayer der Zusammenschluss mehrerer Projekt zukünftig Sinn macht. Interessante Konzepte, bei denen wir unsere Erfahrungen und unser bestehendes Netzwerk einbrignen könnten, sind natürlich immer interessant. Entscheidend ist neben dem Konzept allerdings vor allem das Team. Beides war die Grundlage für unser Engagement bei justaloud.com

Thomas Vehmeier:
Auf edelight kann man ja Produkte empfehlen. Gibt s eigentlich schon einen Dienst auf dem an Produkte verreissen kann und andere Kunden warnen kann? Na gut. Ich geben zu: das wäre dann doch eher ein gefundenes Fressen für die Abmahnanwälte…

Peter Ambrozy:
Ciao oder Doyoo zum Beispiel. dort geht es nur um Bewertungen. Entsprechend findest du auch Produkte und Dienstleistungen mit schlechten Bewertungen.

Thomas Vehmeier:
Zum Schluß meine obligatorische Frage: Stell Dir vor, Du wärst auf einer einsamen Insel. Keine Frau, kein Buch, nur Internet. Wie würdest Du Dir die Zeit vertreiben?

Peter Ambrozy:
Nur Internet?

Thomas Vehmeier:
Ja, richtig einsam.

Peter Ambrozy:
Ich würde versuchen den Google-Algo zu entschlüsseln (lacht).

Thomas Vehmeier:
Das sieht nach einem langen Auffenthalt auf der Insel aus (lacht). In diesem Sinne alles Gute weiterhin für Euer Unternehmen und Danke für das Interview.

Peter Ambrozy:
Ich habe zu danken. Also the worst because I can’t get away with much since utile site he’s so updated on everything

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