Während überall über Crowdsourcing als Marktchance gesprochen wird, könnte dem populärsten Projekt im Bereich user-generated content , der Online-Enzyklopädie Wikipedia, bald das Ende drohen. Wikipedia ist nämlich fast pleite und hat einen kurzfristien Finanzbedarf von 4 Mio. Dollar. Es wird Zeit, neue Erlösmodelle jenseits der Geschenkeökonomie umzusetzen.

180px-wikipedia_academy_goettingen_2006_-_jimmy_wales.jpgDie Vorsitzende der Wikimedia Foundation, Florence Devouard, rief vergangene Woche zum Spenden auf. “Die Ressourcen reichen noch für drei bis vier Monate”, dann müsse der Betrieb eingestellt werden. “Wenn wir nicht zusätzliche Spender auftreiben können, ist es nicht unmöglich, dass Wikipedia verschwindet.” Allein die Kosten für den Server-Park werden auf über für 5 Millionen Dollar geschätzt. Tendenz steigend. Laut Sprecherin Ordonez müsse die Organisation viel kreativer beim Spendensammeln werden.

Ein gefundenes Fressen für die Großen?

Natürlich lecken sich die Großen der Branche schon ihre Mäuler. Internetkonzerne wie Google oder Yahoo wären bereit, Milliarden-Beträge für Wikipedia zu zahlen. Denn Wikipedia bietet den Zugang zu Millionen von Benutzern und stellt zudem eine fast perfekte Marketing-Plattform für Internet- und Medienunternehmen dar. Doch es ist fraglich, ob sich eine Community wie Wikipedia so einfach kommerzialisieren läßt. Und Wikipedia ist noch nicht tot. Der Finanzbedarf ist zwar sehr akut, aber es dürften sich Partner finden, die in neue Geschäftsmodell mit Wikipedia investieren ohne die Foundation übernehmen zu müssen. Ohnehin könnten Konzerne wie Google die Inhalte der Wikipedia in ihre eigenen Angebote übernehmen und eine Abspaltung versuchen.

Droht die Spaltung?

Gegenwind könnte Wikipedia auch vom Wikipedia-Mitgründers Larry Sanger bekommen, der mittlerweile Wikipedia mit seinem neuen Online-Lexikon Citizendium herausfordert. Sanger will mit Citizendium die typischen Wikipedia-Probleme umgehen, die sich aus der Anaonymität und dem Fehlen reaktioneller Überprüfung ergeben.

Urheberrechtlich wäre eine Abspaltung auch durch einen kommerziell arbeitenden Konzern möglich, denn jeder kann alle Artikel aus dem Projekte für Weiterentwicklungen verwenden. Der Zeitpunkt wäre gut, wenn man dem Wikipedia-Projekt schaden will. Die einzige Erklärung, warum das nicht gemacht wird, ist eigentlich, dass man die Grasswurzelbewegung nicht zerstören möchte, sondern später selbst von ihr profitieren will. Vielleicht gibt es bei Google & Co. auch so etwas wie ein Einsehen darin, dass eine so fragile Community wie Wikipedia nicht einfach “geschluckt” werden kann. Die im Projekt herrschende Kultur der Gabe dürfte nicht einfach übertragbar sein (aber unmöglich wäre es nicht).

Was kommt nach den Spenden?

Als Ausweg wäre die Möglichkeit, mit dem Suchmaschinen-Projekt Wikiasari das Quasi-Monopol von Google aufzubrechen und mit den Werbeeinnahmen richtig Geld zu verdienen. Eine dritte Möglichkeit wäre die Nutzung von Werbeinhalten direkt in der Wikipedia zur Finanzierung des Angebots, wie von vielen Beobachtern wie Steve Rubel schon seit langem . Marius Sixtus etwa bezeichnete das Festhalten am Spendenmodell als “Rumeierei”. Die bereits kommerziell arbeitende Wikia Inc., die von Wiki-Gründer Jimmy Wales ins Leben gerufen wurde, könnte vielleicht wirklich bald zur Rettung eilen. Bereitet die aktuelle Finanznot des Mutterprojektes Wikipedia dem Wikiasari-Projekt vielleicht etwa erst Flügel? Eine erste millionenstarke Finanzspritze soll Jimmy Wales schon von Amazon sowie einer Gruppe von noch unbekannten Silicon-Valley-Firmen erhalten haben.
Konkurrenz belebt das Geschäft

Vielleicht kommt ja auch bald ein Konkurrenzangebot, welches bessere Anreize zur Mitarbeit bei Wikipedia bietet.
Die Assets von Wikipedia liegen nicht in den Texten, sondern in der Bereitschaft der Nutzer, mitzuarbeiten. Sollten Wettbewerber bessere Anreize schaffen, die Nutzer zu mitarbeiten zu bewegen, wäre Wikipedia zu schlagen.

Ein Wikipedia-Konkurrent könnte aus ehrenamtlichen Mitarbeitern bezahle Redakteure machen oder ihnen eine Plattform zur Eigendarstellung bieten. Es deutet vieles darauf hin, dass das AAL-Prinzip an seine Grenzen stößt.

Das auf Spenden basierende Finanzierungsmodell (welches mich etwas an Graswurzelprojekte wie die taz oder erinnern würde) scheint jedenfalls fürs erste gescheitert.

Weiterführende Links:

  • sowie die
  • (Aufruf)
  • Webmaster und SEO-Blog:
  • FTD:
  • silicon.de:
  • sueddeutsche.de:
  • ANDERS|denken Blog:
  • Marius Sixtus:

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