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Auf dem Barcamp in Köln im Sommer letzten Jahres lernte ich Thomas Goette von woobby kennen. Als großer Befürworter des Wikinomics-Gedankens reizen mich neue Ansätze, wie sich die Kreativität und das Wissen der Masse nutzen läßt. Die Ranking-Community woobby macht dieses verteilte Wissen auf einfache Wiese nutzbar und macht es auch breiten Bevölkerungsschichten möglich, sich einzubringen. Ich sprach mit Dr. Thomas Goette, einem der Gründer von woobby in Köln über Ranking im Allgemeinen und woobby im Speziellen. Â

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Thomas Vehmeier:
Thomas, erklär unseren Lesern doch bitte einmal in 2 Sätzen, was woobby ist…

Thomas Goette:
woobby ist eine Online-Plattform, auf der man gebündelte Erfahrungen und Meinungen von Nutzern zu mehr als 20.000 Themen in Form von Ranglisten finden kann.

Thomas Vehmeier:
Was unterscheidet woobby denn von anderen Meinungsportalen wie etwa ciao & co?

Thomas Goette:
Bei Ciao oder Qype findet man Bewertungen oder Empfehlungen zu einem Produkt oder zu einem Ort. Bei woobby findet der Nutzer eine Rangliste von Produktangeboten oder Restaurants zu einem spezifischen Thema, beispielsweise die besten Tattoostudios in Hamburg. Dadurch dass der Nutzer einen Vergleich in Form einer persönlichen Bestenliste erhält, bekommt er Orientierung von Nutzern für Nutzer bei Auswahlentscheidungen. Sei es für die Freizeit oder bei Einkaufsangelegenheiten. Dies entspricht sehr oft sehr viel stärker dem eigentlichen Bedürfnis der User.

Thomas Vehmeier:
In welchen Bereichen sind die Ranglisten am beliebtesten?

Thomas Goette:
Unter den All-Time Favorites finden sich viele FUN-Themen. Die besten Chuck Norris Jokes z.B. oder kleine Hilfen für aktuelle Events wie die besten Sprüche zum Muttertag oder Schulanfang. Dies wird sehr gerne nachgefragt. woobby ist andererseits aber eine absolute Long Tail Plattform. Weniger als 3% aller 20.000 Ranglisten-Themen haben bisher weniger als 10 Besucher gefunden.
Ansonsten verteilen sich die Themen der Ranglisten über alle Bereiche des Lebens: Unterhaltungsthemen wie Musik, TV, Filme, Bücher finden sich genauso wie Sport oder lokale Themen. Rund 15 % aller Ranglisten auf woobby haben einen lokalen Bezug.

Thomas Vehmeier:
Auf dem woobby-Blog nennst Du als ein Anwendungsbeispiel die Suche nach dem besten Frühstück in Düsseldorf. Obwohl ich diese Suche als Kölner nur selten eingebe, kann ich bestätigen, dass man bei derlei Suchen mit Google kaum weiterkommt. Die Auswahl ist dürftig und Google desinformiert eigentlich mehr als dass es hilft. Die Suche nach dem Frühstück ist sicherlich eine richtige Nutzanwendung. Steht eher der Nutzen oder doch er der Spaß im Vordergrund? Schließlich ist woobby ja auch eine Community…

Thomas Goette:
Wir haben die Diskussion um spaßige Rankings und seriöse Ranglisten von Beginn an bei woobby geführt. Es gibt thematisch keine Einschränkungen. Der User bestimmt, was er bei woobby einstellen möchte (Ausnahme natürlich: unangemessene Inhalte). Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass beide Themengruppen sich bei uns die Waage halten. Und genauso in der Community – manche User bestehen auf hochqualitativen Rankings und achten darauf, dass Qualität auf der Plattform landet. Aber natürlich ist der Spaß ein ganz wichtiger Faktor auf woobby. Das Ranken an sich macht schon sehr viel Spaß! Passend zur Buchmesse gab es aber auch seriöse Ranglisten, die sogar bilden können.

Thomas Vehmeier:
Ihr nehmt also bewusst keine Trennung vor, um die User und die Anzahl möglicher Themen nicht von vornherein unnötig einzuschränken? Also keine Trennung zwischen E- und U-Rankings?

Thomas Goette:
Ja. Absolut. Wir haben festgestellt, dass bei vielen Nutzern zuerst eine Hemmschwelle besteht, ein neues Ranglistenthema zu erstellen. Diese Hürde müssen wir versuchen abzubauen. Das geht natürlich mit Spaß-Rankings viel leichter. Da muss niemand befürchten, etwas falsch zu machen.
Unser Slogan heißt ja: “Teile Deine Leidenschaft”, da jeder Mensch auf den Lebensgebieten, in denen er oder sie sich gut auskennt, auch ein Experte ist und dort anderen Menschen Hilfestellung geben kann – durch seine Expertise zu bestimmten Themen.

Thomas Vehmeier:
Ich kann mir vorstellen, dass Geschmack verbindet. Welche Rolle spielt die Community auf woobby? Kommen die Leute zusammen und wenn ja wie? Weil zwei meinen, den besten Caffe Latte in Köln gibt es im Café Spitz?

Thomas Goette:
Die Community kommuniziert zuerst über das Ranken von Themen. Ich ranke für mich interessante Themen. Vielleicht kommentiere ich diese dann noch. Oder markiere sie als HOT oder FAVORIT. Das merken diejenigen, die das Thema erstellt haben. Sie werden per Email benachrichtigt oder sehen es auf der Plattform im Microfeed. Und dann reagieren sie wiederum darauf. Das können Nonsens-Themen sein oder aber ganz ernsthafte Diskussionen.
Über 200 Themen auf der Plattform beschäftigen sich auch mit woobby selber. Ein wichtiger Faktor zum Austausch in der Community. Was nervt, was gefällt. Das geht über Funktionen, Services und auch über User.

Thomas Vehmeier:
Auch die Mitglieder selbst scheinen bei Euch in ein Ranking zu geraten. Zumindest im positiven Sinn. Wie werde ich Listenkaiser? Ich bitte um die Anleitung.

Thomas Goette:
Auf woobby können die User virtuelle Medaillen gewinnen und zwar 6 verschiedene, die jeden Monat an die jeweiligen Monatsbesten in den unterschiedlichen Kategorien verteilt werden. Und dann auf jeder woobby Seite prangen, wenn der Gewinner eingeloggt ist. Den Listenkaiser gibt es für den User, der im aktuellen Monat die meisten Rankings auf seine Ranglistenthemen erhält. Ein Popularitätskriterium für den Ersteller. Seine / ihre Themen werden gerne gerankt und diskutiert.

Thomas Vehmeier:
Ok. Ich werde mich anstrengen.

Thomas Goette:
Lacht.

Thomas Vehmeier:
Deutsche-startups hat woobby im Juli mit 100.000 Unique Vistors und 7500 angemeldeten Usern beziffert. Wo steht Ihr heute etwa?

Thomas Goette:
Wir haben derzeit fast 9000 registrierte Nutzer und hatten im August 135.000 Uniques. Leider haben wir aufgrund von SEO-Bugs durch ein neues Release seit September einen Einbruch erlitten, so dass wir im Oktober wieder bei etwas mehr als 100.000 lagen.

Thomas Vehmeier:
Ihr seid drei Gründer mit guten Lebensläufen und mittlerweile einige Angestellte. Wie finanziert sich woobby? Das Startup-Blog „deutsche-Startups.de“ spricht von der “Einbindung von relevanzbasierten Werbe- und Affiliate-Commerce-Formaten”. Was heißt das genau?

Thomas Goette:
Wir haben seit Ende August in sehr überschaubarem Ausmaß Werbung auf der Plattform. Im wesentlichen kontextrelevante Textwerbung von Google. Die Klickraten entsprechen unseren Vorstellungen. Allerdings sind wir bezüglich der Ausweitung von Werbeplätzen auf woobby noch im Anfangsstadium.
Bisher ist woobby ein Invest Case. Wir drei Gründer haben in den Aufbau und die Weiterentwicklung der Plattform investiert. Nun geht es daran, die Monetarisierung des Modells voranzutreiben.

Thomas Vehmeier:
Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Rankings an Content-Portale lizensieren ließen.

Thomas Goette:
Wir denken über neue Geschäftsmodelle außerhalb der Werbung nach, da sich das Modell beim derzeitigen Traffic nicht aus sich selber tragen kann.

Thomas Vehmeier:
Für Zeitschriften könnte es doch toll sein, passende Rankings zum Thema zu präsentieren… Gibt es eigentlich schon woobby-to-go? Kann ich mir meine woobby-Frage in meinen Blog einbauen?

Thomas Goette:
Ja! Wir haben schon länger ein einfaches Blog-Widget, das aber nur einmalig ausgewählte Ranglisten zeigen kann. Unser neues Widget kann viel mehr. Es steht seit Ende August potentiellen Kooperationspartner zur Verfügung, die mit diesem Widget interessanten Content auf Ihre Seite bringen können. Wir erhalten im Gegenzug Rankings und neue Inhalte, die den Wert unserer Seite erhöhen. Die erste Installation ist bereits erfolgt und wir sind derzeit in intensiven Gesprächen mit 15 weiteren Partnern. Bis Ende November wollen wir ca. 10 woobby Widgets auf anderen Plattformen integriert haben.

Thomas Vehmeier:
Bei allem Spaß â€“ es git durchaus Kritiker des Web 2.0. Jaron Lanier etwa sieht im Web 2.0 einen digitalen Maoismus, also eine Gleichmacherei jeder Meinung durch die Masse. Bei Wikipedia ist bekannt, dass bestimmte Unwahrheiten über Fußballer oder Politiker immer wieder von der Masse eingetragen werden. Dies könnte man als eine Art Rauschen bezeichnen. Auch bei digg.com gibt es ja dieses Phänomen. Inwiefern nutzt woobby die Weisheit der Massen besser als etwa Wikipedia oder digg.com? Was ist das Überlegene von Rankings?

Thomas Goette:
Ich mache gerne den Youtube-Test bei Musik-Rankings auf woobby. Ich vergleiche z.B. die besten Songs von Radiohead mit den realen Download-Zahlen bei Youtube und stelle fest, dass in der großen Mehrzahl der Fälle die Top 5 bei woobby identisch sind mit den Millionen Download Zahlen auf Youtube. Und das i.d.R. bereits, wenn nur ca. 5 User ihre Rangliste abgegeben haben. Warum ist das so? Weil eine Rangliste in den meisten Fällen von jemand erstellt wird, der sich damit auskennt. Und beranked wird es ebenfalls in erster Linie von Menschen, die sich mit dem Thema auskennen. Und das führt zu in der Regel recht relevanten Gesamtrankings. D.h. sehr oft findet sich die Wisdom of the Crowd auch schon bei geringer Teilnehmerzahl – check it out!

Thomas Vehmeier:
Also nur Experten interessieren sich für die Rankings – und deswegen sind auch verhältnismäßig wenige Ausfälle unter den Usern, die ranken?

Thomas Goette:
Da auf woobby mittlerweile eine so große Auswahl an unterschiedlichen Ranglisten zu finden ist, suchen sich die User gerad die Themen aus, zu denen sie wirklich etwas sagen können. Es gibt zwar auch einige Power-Woobbler, die auf alles ranken, was sich bewegt. Aber das ist eher die Ausnahme.

Thomas Vehmeier:
Noch ein paar Worte zu Dir und dem Gründer-Team. Ihr seid wie ich in Köln angesiedelt. Arbeitet aber auf einem Golfplatz. Das schürt natürlich Neid … und weckt Interesse…

Thomas Goette:
Ja – wir haben wirklich einen eher ungewöhnlichen Bürostandort gefunden. Draussen vor der großen Stadt – auf dem Lande. Hat einige Vorteile: wir können im Sommer jeden Tag draußen grillen. Es ist sehr ruhig, das kann die Kreativität befördern. Es ist aber aus logistischen Gründen nicht immer der optimale Standort. Aber klar – es ist ein besondere Büroatmosphäre, die unsere Mitarbeiter und Praktikanten auch sehr schätzen.

Thomas Vehmeier:
Noch ein paar Worte zu Euch?

Thomas Goette:
Wir haben natürlich alle hier ein einstelliges Handicap.

Thomas Vehmeier:
(Lacht.) Im Ernst….

Thomas Goette:
Zu uns: wir drei Gründer haben alle das Beratungsgeschäft bei international tätigen Beratungsunternehmen gelernt und uns dort auch persönlich sehr gut kennengelernt. Es gab dann einen Zeitpunkt, an dem wir alle drei unabhängig voneinander festgestellt haben, dass wir uns gerne selbständig machen wollten. So kamen wir ins Gespräch. Und aus diesen Gesprächen ist dann die Idee entstanden, ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Thomas Vehmeier:
Normalerweise frage ich am Schluss immer, was man auf einer einsamen Insel so braucht. Aber wie ich sehe, ist diese Frage auf woobby bereits beantwortet. Auf Platz 14 steht übrigens Jude Law – es scheinen viele weibliche User mitzumachen. Gut. Zum Schluß würde mich interessieren, welche Frage Du gern auf woobby beantwortet wissen würdest?

Thomas Goette:
Momentan: was ist das beste Geschäftsmodell für diese phantastische Plattform. (Lacht).

Thomas Vehmeier:
Da ich registrierter Nutzer bin, werde ich mich bemühen, daran mitzubasteln. Ich wünsche Euch noch viel Erfolg mit woobby und danke für das Interview.

Thomas Goette:
Gern geschehen.

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Links

  • Beispiel-Ranking auf woobby:
  • Integration von woobby mittels Widget:

Thanks to modern spy mobile app surveillance systems, such as cctv surveillance, this form of stealing has become less common in the workplace already

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