flickrbilder.pngAuf dem Ableger der Netzeitung, der von Bloggern selbst produzierten Readers Edition werden offensichtlich in mehreren Fällen unerlaubt Fotoinhalte aus FlickR genutzt. Der Vorfall offenbart eine allgemeine Erosion des Verständnis von Privateigentum, die eben gerade auch durch die Blogosphäre getrieben wird. Die Internetnutzer haben sich längst an diese Form des digitalen Maoismus gewöhnt.

Der Fall Readers Edition

Über einen Beitrag von wurde ich auf einen Recherche von Felix Schwenzel aufmerksam. Wie wirres.net , nutzt die Readers Edition Bilder von FlickR-Nutzern ohne korrekt zu zitieren (Nutzung des Bildes rechts: ). Als Quelle würde meist lediglich FlickR zitiert, früher hätte man nur “Internet” als Quelle angegeben . Vom Urheber und damit dem Rechteinhaber sei keine Rede, so wirres.net. Bei der Readers Edition habe man sich zunächst bei Nachrichtenagenturen bedient oder lizenzfreie Bilder genutzt. Erst in letzter Zeit würden auch flickR-Inhalte genutzt – allerdings ohne Hinweis auf den Namen des Fotografen oder Link zum Original. Kaum eines der strittigen Bilder stehe unter einer offenen Lizenz (etwa creative Commons).

Ob die Fotoinhalte von den Bloggern oder der Redaktion der Readers Edition eingebunden wurden, blieb offen. Die Readers Edition hat sich mittlerweile für das Vorgehen entschuldigt.

Â

Zukunft user-stolen content

Auch wenn es sich beim Fall der Readers Edition um einen unglücklichen Fehler handeln mag. Der Vorfall zeigt, wie kurz der Weg vom user-generated zum user-stolen content ist. Die Leser schreiben lassen und wenn es nötig ist, klaut man eben ein paar Inhalte dazu. Nur ja keine Kosten entstehen lassen… Dann kippt das Geschäftsmodell.

Felix Schwenzel sieht in dieser Praktik einen Einzelfall. Mich interessiert vielmehr der Gewöhnungseffekt: die von Wirres aufgedeckten Fälle störten die Rechteinhaber kaum. Offensichtlich haben sich die meisten schon damit abgefunden, dass man für seine Kreativleistungen nicht bezahlt wird. Das scheint inzwischen der Normallfall zu sein.

Das Problem des permanenten Urheberrechtsverstoßes dürfte allerdings allgemeinerer Natur sein. Da die Readers Edition ein Produkt der Netzeitung ist, eignet sich das Vergehen natürlich hervorragend für ein Abwatschen durch virtuelle Robin Hoods.

Damit offenbart das Modell des Blogger- oder Citizen-Journalismus ein ganz neues Problem: die Rechteverletzung durch die Autoren und Moderatoren.

Wirres klagt nicht zu Unrecht die Readers Edition an. Allerdings trifft er damit vermutlich nicht den Punkt. Die Frage muß vielmehr lauten: können die Herausgeber der Readers Edition in Zukunft überhaupt verhindern, daß Urheberrechte durch die Blogger verletzt werden?

Â

Haben wir uns schon daran gewöhnt?

Die meisten Blogger dürften ebenfalls nicht korrekt zitieren und sich mit dem permanenten Mißstand abgefunden haben – ja sogar durch ihn profitieren. Dies trifft in höherem Maße auf die A-Blogger zu, da diese ja höhere Zugriffe haben. Vielleicht liegt es auch daran, daß Bloggen gerade auf der Nutzung fremder Contents beruht. Es macht nachdenklich, wenn nicht der Ursprungsartikel auf Technorati hoch bewertet wird, sondern das Zitat…

Bloggen unterliegt einer ganz eigenen Ökonomie des Klauens. Wer zitiert schon den Urheber eines YouTube-Videos? Oft ist es gar nicht einfach den Namen des Urhebers ausfindig zu machen. Zudem neigen Blogger dazu, nur den letzten Blog zu benennen und nicht den wirklichen Urheber eines Textes. Wer 10-20 Artikel an einem Tag posten möchte, kann natürlich keine saubere Recherche mehr machen. Nur wenige Blogbetreiber haben eine Journalstenschule besucht und wissen, wie man richtig zitiert. Keine Zeit und keine Ahnung.

Die Selbstbezogenheit vieler Blogger und das allgegenwärtige, gegenseitige Verlinken führt dazu, das permentente “Leihen” von Inhalten nicht als Mißstand, sondern als Normallfall zu betrachten. Sind die Blogger die wahren Schurken?

Â

Das Individuum und die Netze

Niemand sollt sich davon freisprechen, fremde Inhalte ungefragt genutzt zu haben. Es ist weniger die rechtliche Seite, die so gefährlich werden könnte. Es ist wichtig, die Urheber zu benennen, um sie zu weiteren Kreativleistungen zu motivieren.

Der eigentliche Schaden wäre, wenn sich ein Fotograf sagt: das wird ja eh alles gestohlen, warum soll ich aus der Masse herausstechen. Ich klau auch lieber bei anderen. Ergebnis: Gleichmacherei.Â

Â

Fazit

Wenn sich die Kreativität aus Angst vor dem Schwarmgeist zurückzieht und den Namenlosen das Feld überläßt, so wäre das für mich tatsächlich eine Form des von Jaron Lanier beschreibenen .

Das Urheberrecht ist zurecht im deutschen Rechts als Persönlichkeitsrecht aufgestellt und nicht als handelbares Sachenrecht.

Aber das Recht hat keine Chance, wenn es nicht von seinen Bürgern gelebt wird, sondern nur zu Abmahnmaschen mißbraucht wird. Viele Blogger haben sich von der Vorstellung einer Rechtsstaatlichkeit verabschiedet – vielleicht auch, weil Ihnen der durch diesen Rechtsstaat möglich Abmahnwahn schwer zugesetzt hat und im Grund unrecht getan hat.

Wenn sich die Blogger wirklich als neue digitale Bohème, als Vorhut einer digitalen Gesellschaft begreifen, dann muß eine Art Selbsterklärung der wichtigsten Blogger folgen, die zu einer umfassenden Blogiquette führen könnte und Innovation nachhaltig fördert.

Â

Links

  • Frank Huber (Media-Blog):
  • Don Alphonso (blogbar):
  • Don Alphonso (blogbar):

One day, he was www.goldessayclub.com/ walking up the stairs to his classroom with his teacher and asked, why is everyone so nice here

Project Details